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Diese Website richtet sich an medizinische Fachkreise in Deutschland.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, den Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio regelmäßig aufzufrischen.1 Diese vier Infektionserkrankungen können mit einer großen Krankheitslast einhergehen und sind potenziell lebensgefährlich.2-5

Die Tdapa- bzw. Tdap-IPVb-Auffrischimpfung bietet Schutz vor 3 bzw. 4 Infektionserkrankungen, die einen schweren Verlauf nehmen können.1-5

Tetanus Icon

Tetanus: Sehr selten, aber meist tödlich

Der Tetanus-Erreger Clostridium tetani kann über Bagatellwunden in den menschlichen Körper eindringen. Seine Exotoxine binden an Neurone und wandern bis ins Zentralnervensystem (ZNS).2 In der Folge kommt es zu schweren neurologischen Störungen mit erhöhtem Muskeltonus und Krämpfen (Wundstarrkrampf). Die Infizierten müssen schnellstmöglich intensiv medizinisch behandelt werden. 

Ohne Intensivtherapie ist die Letalität erheblich höher. In feuchtwarmen Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung sterben heute noch zahlreiche Menschen an Tetanus. Dank umfassender Impfprogramme erkranken in Deutschland hingegen weniger als 15 Personen jährlich an Tetanus. In der Regel handelt es sich dabei um ältere Erwachsene.2

Diphtherie: Selten, aber potenziell lebensgefährlich

Auch bei Infektionen mit dem Diphtherie-Erreger Corynebacterium diphtheriae sind bakterielle Toxine für die teilweise schweren Symptome verantwortlich. Abhängig von der Manifestationslokalisation unterscheiden sich 2 Diphtherie-Formen:3

  • Hautdiphtherie
  • respiratorische Diphtherie (Tonsillen-/Rachen-Kehlkopfdiphtherie). 

Letztere wird durch Tröpfcheninfektion übertragen und beginnt typischerweise mit Halsschmerzen, Fieber und Schluckbeschwerden. Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine Tonsillitis/Pharyngitis mit Belägen im gesamten Hals- und Rachenraum. Vor allem bei Kindern mit Kehlkopfdiphtherie können die Atemwege verlegt werden und es kann zum Erstickungstod kommen. Als mögliche weitere Komplikation kann das Diphtherie-Toxin in die Blutbahn gelangen und zu einer toxischen Diphtherie mit schweren systemischen Symptomen führen. 

Seit der Einführung der Impfung erkranken in Deutschland nur noch vereinzelt Menschen an Diphtherie.3 Allerdings machte Anfang 2025 der Todesfall eines 10-jährigen Jungen aus Berlin Schlagzeilen. Er war nicht geimpft und verstarb an den Komplikationen einer Rachendiphtherie.6

Polio: In Deutschland verschwunden, aber immer noch präsent

Das Poliovirus wird vor allem fäkal-oral übertragen, kann das ZNS befallen und in der Folge eine aseptische Meningitis oder eine paralytische Poliomyelitis verursachen.5 Im zweiten Fall entwickeln die Infizierten teilweise reversible, motorische Paresen, die meist die Beinmuskulatur betreffen. Es können aber auch Lähmungen der Arm-, Bauch-, Thorax- oder Augenmuskeln auftreten.

Dank forcierter Impfkampagnen erkrankte in Deutschland im Jahr 1990 das letzte Mal ein Mensch an Poliomyelitis aufgrund einer hierzulande erworbenen Wildtypvirus-Infektion. Die letzten importierten Poliomyelitis-Fälle wurden 1992 dokumentiert.5 Allerdings hat man seit Ende 2024 in den Abwasserproben vieler deutscher und europäischer Großstädte Schluckimpfstoff-abgeleitete Polioviren Typ 2 nachgewiesen. Es wurden aber keine Polio-Verdachtsfälle und -Erkrankungen an das RKI gemeldet.7,8 Während Europa als poliofrei gilt, werden aus einigen afrikanischen Ländern regelmäßig Poliomyelitis-Fälle aufgrund von Schluckimpfstoff-abgeleiteten Polioviren gemeldet. In Afghanistan und Pakistan infizieren sich immer noch Menschen mit dem Wildtyp-Polioviren.5

Pertussis: Hochansteckend mit zyklischen Infektionswellen

Pertussis ist eine hochansteckende bakterielle Erkrankung. Der Erreger, Bordetella pertussis, wird durch Tröpfcheninfektion übertragen. Bei geimpften Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigt Pertussis in der Regel einen milden Verlauf mit langwierigem Husten und ohne die typischen Symptome wie anfallsartiger Husten, inspiratorischer Stridor oder Erbrechen. Bei noch nicht vollständig geimpften Säuglingen kann es hingegen zu Komplikationen wie Apnoen und Pneumonien kommen. So treten die meisten Pertussis-assoziierten Todesfälle bei Säuglingen unter 6 Monaten auf.4 Bei Menschen ab 65 Jahren oder mit Grunderkrankungen wie einer Immundefizienz besteht ein moderates Risiko für einen schweren Pertussis-Verlauf.Im Gegensatz zu den 3 anderen beschriebenen Erkrankungen tritt Pertussis in Deutschland nach wie vor häufig auf.So wurden im Jahr 2024 über 25.000 Pertussis-Fälle gemeldet – ein Höchststand seit Beginn der bundesweiten Meldepflicht im Jahr 2013.10

Nach Einschätzung des RKI gehört die hierzulande niedrige Pertussis-Impfquote unter Jugendlichen und Erwachsenen bei Auffrisch- oder Schwangerenimpfungen zu den Ursachen dieses Fallzahlanstiegs.9

Auffrischimpfung: Schutz vor schweren Erkrankungen und Ausbrüchen

Angesichts jüngster epidemiologischer Ereignisse appellieren das RKI, die Politik und ärztliche Organisationen, Impflücken zu schließen.1,7-9,11 Denn die Auffrischimpfung gegen Tetanus, Diphtherie, Pertussis und Polio ist unter anderem aus diesen beiden Gründen wichtig:1-5,9

  • Sie bietet individuellen Schutz vor den hohen gesundheitlichen Risiken der jeweiligen Erkrankungen.
  • Sie trägt dazu bei, Ausbrüche zu verhindern.

Die Empfehlungen der STIKO geben Hinweise, wann und bei wem, diese Standardimpfungen aufgefrischt werden sollten:1

  • Tetanus und Diphtherie: Eine Auffrischung ist empfohlen, wenn die letzte Tda-Impfung >10 Jahre zurückliegt.1
  • Pertussis: Die STIKO empfiehlt:8
    • Bei allen Erwachsenen eine einmalige Tdapb-Kombinationsimpfung mit der nächsten fälligen Td-Impfung (bei gegebener Indikation mit einem Tdap-IPVc-Kombinationsimpfstoff).
    • Alle 10 Jahre eine Dosis Pertussis-Impfstoff bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst und in Gemeinschaftseinrichtungen sowie bei engen Haushaltskontakten eines Neugeborenen spätestens 4 Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin.
    • Bei allen Schwangeren eine Auffrischimpfung mit einem Tdap-Kombinationsimpfstoff (bei gegebener Indikation mit einem Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff) zu Beginn des 3. Trimenons der Schwangerschaft – unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussis-Impfungen und in jeder Schwangerschaft (bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt im 2. Trimenon).
  • Polio: Ein vollständiger Polio-Impfschutz besteht nach der Grundimmunisierung im Kindesalter und einer Auffrischimpfung im Alter von 9 bis 16 Jahren mit einem Tdap-IPV-Kombinationsimpfstoff. Darüber hinaus gelten Polio-Impfempfehlungen unter anderem für Reisende in Endemiegebieten laut WHO-Angaben sowie für Menschen, die in Gemeinschaftsunterkünften leben oder arbeiten.1
Referenzen

Fußnoten:

aTd: Tetanus, Diphtherie
bTdap: Tetanus, Diphtherie, (azellulär) Pertussis
cTdap-IPV: Tetanus, Diphtherie, (azellulär) Pertussis, inaktiviertes Poliovirus

Quellen:

  1. Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2025;4:1-75.
  2. Robert Koch-Institut (RKI), RKI-Ratgeber, Tetanus. Stand: 27.11.2018, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Tetanus.html  (abgerufen: 03.07.2025)
  3. Robert Koch-Institut (RKI), RKI-Ratgeber, Diphtherie. Stand: 29.02.2024, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Diphtherie.html (abgerufen: 03.07.2025)
  4. Robert Koch-Institut (RKI), RKI-Ratgeber, Keuchhusten (Pertussis). Stand: 26.02.2024, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Pertussis.html (abgerufen: 03.07.2025)
  5. Robert Koch-Institut (RKI), RKI-Ratgeber, Poliomyelitis. Stand: 28.11.2024, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Poliomyelitis.html  (abgerufen: 03.07.2025)
  6. Diphtherie-Todesfall: Seltene Diphtherie - Kind stirbt nach monatelangem Kampf. Tagesspiegel. 29. Januar 2025, unter: https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/panorama/diphtherie-todesfall-seltene-diphtherie-kind-stirbt-nach-monatelangem-kampf-13106662.html (abgerufen: 03.07.2025)
  7. Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2024;48:21-22.
  8. Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2025;5:3-4.
  9. Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2024;48:3-7.
  10. Robert Koch-Institut (RKI). SurvStat@RKI. Abfrage der Fallzahlen für Keuchhusten gemäß Meldepflicht Infektionsschutzgesetz: Abfrage am 11.08.2025.
  11. Minister Lauterbach und BVKJ-Präsident Hubmann rufen zur Impfung auf. Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums und des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (BVKJ). 30. Januar 2025, unter: https://www.bvkj.de/politik-und-presse/pressemitteilung/minister-lauterbach-und-bvkj-praesident-hubmann-rufen-zur-impfung-auf/ (abgerufen: 03.07.2025)

MAT-DE-2503572-1.0-01/2026