- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 12.01.2026
Warum die Auffrischimpfung gegen Pertussis für alle Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen wichtig ist

Im Jahr 2024 wird in Deutschland und Europa ein deutlicher Anstieg an Pertussis-Fällen verzeichnet.1,2 Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt daher dringend, Pertussis-Impflücken mit einer Auffrischimpfung zu schließen und so die Weiterverbreitung des hochansteckenden Erregers einzudämmen.1

Am Jahresanfang 2025 setzte sich dieser Fallzahlanstieg zunächst fort. Inzwischen scheint die Anzahl der gemeldeten Pertussis-Fälle wieder auf das Niveau vor der COVID-19-Pandemie zurückzugehen. Allerdings wurden bis Ende Juni 2025 bereits mehr Pertussis-Fälle registriert als im gesamten Jahr 20233. Die tatsächliche Anzahl der Keuchhustenfälle ist schätzungsweise 110-mal höher als gemeldet4.
Bei den meisten in Deutschland gemeldeten Pertussis-Fällen mit dokumentiertem Impfstatus waren die Betroffenen entweder ungeimpft oder hatten keine der STIKO-Empfehlung entsprechenden Auffrischimpfung erhalten.1
Säuglinge und Jugendliche am stärksten betroffen
Die Pertussis-Welle im Jahr 2024 betraf vor allem Säuglinge im Alter von unter einem Jahr, von denen etwa die Hälfte stationär behandelt werden musste.1 Bei 81% der erkrankten Säuglinge hatte die Mutter keine Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft erhalten.1 Die zweithöchste Pertussis-Inzidenz wurde in der Altersgruppe der 10- bis 19-Jährigen beobachtet, gefolgt von Kindern im Alter von bis zu 10 Jahren.1, 3

Pertussis: hochansteckend und mit hohen Risiken für alle Altersgruppen
Der bakterielle Erreger Bordetella pertussis ist mit einer Basisreproduktionszahl (R0) von 12 bis 17 hochansteckend.5 Er wird durch Tröpfcheninfektion beim engen Kontakt mit Infizierten übertragen. Bei geimpften Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen verläuft Pertussis häufig mild mit langwierigem Husten und ohne die typischen Symptome einer Pertussis-Erkrankung wie anfallsartiger Husten, inspiratorischer Stridor oder Erbrechen.6 Dagegen kann es bei nicht vollständig geimpften Säuglingen zu Apnoen und weiteren Komplikationen wie Pneumonien aufgrund einer Superinfektion kommen. So treten die meisten Pertussis-assoziierten Todesfälle bei Säuglingen unter 6 Monaten auf – häufig im Zusammenhang mit einer Hyperleukozytose, die bei Säuglingen zu einer erhöhten Letalität beitragen kann.6,7
Auch andere vulnerable Gruppen sind besonders gefährdet: Bei älteren Menschen ab 65 Jahren kann es aufgrund altersbedingter Immunabwehrschwäche zu schweren Verläufen kommen. Menschen mit chronischen Grunderkrankungen wie Immundefizienz oder Lungenerkrankungen (z. B. COPD, Asthma) haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Komplikationen.8 Darüber hinaus können Personen mit engem Kontakt zu vulnerablen Gruppen, zum Beispiel: Eltern, Großeltern, medizinisches Personal und Betreuungspersonal, zur unbeabsichtigten Infektionsquelle werden. Daher kommt der Auffrischimpfung auch in diesen Gruppen eine wichtige Rolle zu.
Pertussis bei Erwachsenen: Impflücken erkennen, Risiken minimieren
Trotz verfügbarer Impfung wird Pertussis vielfach nicht als relevante Erwachsenenerkrankung wahrgenommen. Generell lässt sich alle 4 bis 6 Jahre ein Anstieg der Pertussis-Infektionszahlen beobachten.1,9 Zu diesem zyklischen Verlauf trägt unter anderem die mit der Zeit nachlassende Schutzwirkung der Pertussis-Impfung bei.1 In diesem Kontext gehören die unzureichenden Quoten für die Pertussis-Auffrischimpfung nach der Einschätzung des RKI zu den Gründen für die aktuell hohen Fallzahlen.1
Die Impfquote für Schwangere lag zuletzt bei lediglich 48 %.10 Dabei ist die maternale Immunisierung sehr wichtig, um Neugeborene und Säuglinge vor Pertussis zu schützen, solange sie selbst noch nicht geimpft werden können.2
Warum eine frühzeitige Auffrischimpfung entscheidend ist, welche Impflücken bestehen und welche Rolle das Umfeld von Neugeborenen spielt, beleuchtet der Report „Pertussis ernst nehmen – Impflücken schließen“ kompakt und praxisnah:

STIKO-Empfehlungen: Impflücken identifizieren und schließen
Die Empfehlungen der STIKO geben Hinweise, bei wem eine Pertussis-Impflücke besteht. Sie empfiehlt:11

Bei allen Erwachsenen eine einmalige Tdapb-Kombinationsimpfung mit der nächsten fälligen Tdc-Impfung; bei entsprechender Indikation kann hierfür auch ein Tdap-IPVd-Kombinationsimpfstoff verwendet werden.

Alle 10 Jahre eine Dosis Pertussis-Impfstoff bei Beschäftigten im Gesundheitsdienst und in Gemeinschaftseinrichtungen sowie bei engen Haushaltskontakten eines Neugeborenen spätestens 4 Wochen vor dem voraussichtlichen Entbindungstermin.

Bei allen Schwangeren eine Auffrischimpfung mit einem Tdapb- bzw. Tdap-IPVd-Kombinationsimpfstoff zu Beginn des 3. Trimenons der Schwangerschaft – unabhängig vom Abstand zu vorher verabreichten Pertussis-Impfungen und in jeder Schwangerschaft (bei erhöhter Wahrscheinlichkeit für eine Frühgeburt im 2. Trimenon).
Die Pertussis-Auffrischimpfung nach den STIKO-Empfehlungen trägt dazu bei, vulnerable Gruppen wie ungeimpfte Säuglinge, ältere Menschen und chronisch Erkrankte vor einer potenziell lebensgefährlichen Infektion zu schützen und die weitere Ausbreitung von Pertussis zu verhindern.1,11-13
Referenzen
Fußnoten:
aSchwangerschaftsbeginn im Jahr 2022
bTdap: Tetanus, Diphtherie, (azellulär) Pertussis
cTd: Tetanus, Diphtherie
dTdap-IPV: Tetanus, Diphtherie, Pertussis, Poliomyelitis
Quellen:
- Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2024;48:3-7.
- European Centre for Disease Prevention and Control. Increase of pertussis cases in the EU/EEA. 08.05.2024, unter: https://www.ecdc.europa.eu/sites/default/files/documents/Increase%20in%20pertussis%20cases%20in%20the%20EU-EEA%20-%20May%202024%20FINAL.pdf (abgerufen: 03.07.2025)
- Robert Koch-Institut (RKI). SurvStat@RKI. Abfrage der Fallzahlen für Keuchhusten gemäß Meldepflicht Infektionsschutzgesetz: Abfrage am 28.07.2025.
- Macina D, et al., Hum Vaccin Immunother. 2023;19(1):2208514
- Kilgore PE, et al., Clin Microbiol Rev. 2016;29(3):449-486.
- Robert Koch-Institut (RKI), RKI-Ratgeber, Keuchhusten (Pertussis). Stand: 26.02.2024, unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Pertussis.html (abgerufen: 03.07.2025)
- Liese JG, Heininger U, Hellenbrand W, Riffelmann M. Pertussis. In: DGPI, ed. DGPI Handbook of Infections in Children and Adolescents. Stuttgart-New York: Georg Thieme Verlag; 2013: 434-39.
- Macina D, et al., Infect Dis Ther. 2021 Sep;10(3):1141-1170.
- Robert Koch-Institut (RKI), Epid Bull 2017;21:187–197.
- Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2024;50:3-10.
- Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2025;4:1-75.
- Robert Koch-Institut (RKI). Schutzimpfung gegen Pertussis: Häufig gestellte Fragen und Antworten. Stand 02.12.2024. unter: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/Pertussis/FAQ-Liste_Pertussis_Impfen.html (abgerufen: 29.07.2025)
- Robert Koch-Institut (RKI). Epid Bull 2019;(15):125-138.
MAT-DE-2503406-1.0-01/2026