- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 20.04.2026
18. Hauptstadt-Symposium Diabetes 2026

VERANSTALTUNGEN
18. Hauptstadt-Symposium Diabetes 2026
Früherkennung und Therapie: Neue Realität bei Typ-1-Diabetes
Am 17./18. April 2026 ging das Hauptstadt-Symposium Diabetes in die 18. Runde – und machte die Teilnehmenden zu Pionieren eines Paradigmenwechsels.
Unter dem wissenschaftlichen Vorsitz von Prof. Dr. med. Matthias Blüher stand das diesjährige Symposium ganz im Zeichen einer neuen Ära: Früherkennung und moderne Therapieansätze verändern die Versorgungsrealität bei Typ-1-Diabetes grundlegend. Führende Expert*innen präsentierten bahnbrechende Erkenntnisse zu Immuntherapien wie Teplizumab, zu Endotypen des T1D, zur Früherkennung bei Erwachsenen und zu den Herausforderungen einer sektorenübergreifenden Versorgung.
Entdecken Sie hier die Highlights eines hochkarätigen Programms, das wissenschaftliche Tiefe mit klinischer Relevanz verband – und erleben Sie nach, wie innovative Ansätze das Leben von Menschen mit Typ-1-Diabetes nachhaltig verändern können.
Inhaltsverzeichnis
- Die Geschichte von Teplizumab
- Teplizumab in der klinischen Praxis
- Neurologische Komplikationen der diabetischen Ketoazidose
- Beta-Zell-Erhalt bei Typ-1-Diabetes
- Endotypen und Subtypen des Typ-1-Diabetes
- Wirkmechanismus von Teplizumab aus immunologischer Perspektive
- Infusionsmanagement von Teplizumab am Beispiel des Kinder- und Jugendkrankenhaus Auf der Bult
- Interdisziplinärer Dialog – Immuntherapie in Dermatologie und Diabetologie
- Gesundheitspolitische Herausforderungen für die Diabetologie
- Früherkennung und Differenzialdiagnose bei Erwachsenen – Fallbeispiele aus der Praxis
- Früherkennung bei Kindern und Jugendlichen – Transition und Langzeitperspektive

Vortragszusammenfassungen
Entwicklung und präklinische Grundlagen
Die Entwicklung begann in den 1980er Jahren mit der Entdeckung des ersten anti-CD3-Antikörpers OKT3. Präklinische Studien mit dem Mausmodell NOD (nonobese diabetic) zeigten, dass CD3-Antikörper eine dauerhafte Remission des Autoimmundiabetes induzieren konnten. Entscheidend war die Erkenntnis, dass FcR-nicht-bindende CD3-Antikörper die immunmodulatorischen Eigenschaften beibehielten, aber ohne vermehrt Nebenwirkungen auszulösen.1 Diese führte zur Entwicklung von Teplizumab (hOKT3γ1(Ala-Ala)), einem humanisierten, FcR-nicht-bindenden anti-CD3-Antikörper. Präklinische Studien zeigten, dass diese modifizierten Antikörper selektiv Effektor-T-Zellen depletierten und inaktivierten, während naive T-Zellen und regulatorische T-Zellen weitgehend verschont blieben, was zu einer langanhaltenden Immuntoleranz ohne globale Immunsuppression führte.1
Klinische Entwicklung und Zulassung
Seit 2002 wird Teplizumab in klinischen Studien untersucht. Die ABATE-Studie (2011, n=52) zeigte bessere C-Peptid-Erhaltung über zwei Jahre nach klinischer Manifestation.2 Eine Follow-Up-Analyse identifizierte Responder vs. Non-Responder und zeigte reduzierten Insulinbedarf.2,3 Die zulassungsrelevante TN-10-Studie (2019) zeigte bei 76 Patient*innen mit Stadium-2-T1D ein verlängertes medianes Zeitintervall bis zur T1D-Diagnose von 27 auf 60 Monate.4 Diese Daten führten zur FDA-Zulassung 2022 und EMA-Zulassung Januar 2026.
Wirkmechanismus und Zukunftsperspektiven
Teplizumab induziert operationelle, aber nicht absolute Toleranz durch: (1) transiente T-Zell-Depletion, (2) erhöhter Anteil erschöpfter T-Zellen, (3) Zunahme der Anzahl und Funktion regulatorischer T-Zellen. Dies kann zu einer verbesserten Immuntoleranz gegenüber ß-Zell-Autoantigenen und einer verlängerten Erhaltung der ß-Zell-Funktion ohne globale Immunsuppression führen.1,2,4
Kurzgefasst
Teplizumab ist der erste zugelassene krankheitsmodifizierende Wirkstoff für Typ-1-Diabetes und und kann die Diabetesmanifestation bei Patient*innen mit T1D im Stadium 2 um mehrere Jahre verzögern.4,5,6 Die über 30-jährige Entwicklung markiert den Beginn einer neuen Ära in der T1D-Therapie.
Literatur
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Chatenoud L et al. Cold Spring Harb Perspect Med 2025; 1, 15 (10).
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Herold KC, Bundy BN, Long SA, et al. N Engl J Med. 2019; 381(7):603-613.
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Sims EK et al. Science Translat Med 2021; 13 (583): eabc8980.
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Lledó-Delgado A et al. J Clin Invest 2024; 134 (18): e177492.
Implementierung und Patient*innenerfahrung
Teplizumab wurde im November 2022 von der FDA zugelassen für Patient*innen ≥8 Jahre mit Stadium-2-T1D.1 Das Barbara Davis Center behandelt seit April 2023. Die Bilanz: über 200 Überweisungen, 51 behandelte Patient*innen. 90 % der geeigneten Kandiat:innen entschieden sich für Teplizumab. Die Klinik hat einen etablierten Behandlungsprozess, welcher verschiedene Aspekte der Vor- und Nachsorge umfasst sowie geregelte Abläufe während des 14-tägigen Behandlungszyklus.1
Nebenwirkungen und Sicherheit
96 % der Patient*innen schlossen die Behandlung ab. Die Erfahrungen des Centers zeigen erwartbare Nebenwirkungen, welche bereits beschrieben sind: transiente Lymphopenie <500/μl bei 65 %, Kopfschmerzen, Übelkeit und Hautausschlag. Die Zytokinfreisetzung ist häufiger Bestandteil der inflammatorischen Antwort und durch Prämedikation in der Regel beherrschbar.2 Keine symptomatischen EBV-Reaktivierungen bisher.
Langzeitverläufe und pädiatrische Daten
Für einen Teil der Patient*innen können bereits Langezeitverläufe skizziert werden. Dabei haben 8/12 Patient*innen eine weiterhin stabile oder verbesserte Dysglykämie. Patient*innen mit Progression zu Stadium 3 zeigen eine exzellente Kontrolle mit Insulindosen 0,0-0,5 IE/kg/Tag.
Kurzgefasst
Teplizumab ist erfolgreich in der klinischen Praxis implementiert mit 96 % Komplettierungsrate, transienten Nebenwirkungen und stabiler oder verbesserter Glukosekontrolle. Strukturierte Protokolle, engmaschiges Monitoring und realistische Patient*innenberatung sind entscheidend für ein gutes Therapiemanagement.
Literatur
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Verschreibungsinformationen für Teplizumab (USA, Stand: 11/2022); abgerufen unter https://www.accessdata.fda.gov/drugsatfda_docs/label/2022/761183s000lbl.pdf (letzter Zugriff, April 2026).
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Bundy BN, Long SA, et al. N Engl J Med. 2019; 381(7):603-613.
Epidemiologie und Pathophysiologie
Die diabetische Ketoazidose (DKA) tritt bei 20-30 % der jungen Erwachsenen als T1D-Erstmanifestation auf.1,2 Die Gesamtmortalität liegt bei 0,4-4%, steigt bei Hirnödem auf nahezu ein Drittel an.3,4 Neurologische Manifestationen resultieren aus Azidose, Hyperglykämie und Elektrolytentgleisungen. Die neurologische Symptomatik bei Erstvorstellung ist der stärkste Prognoseprädiktor.
Neurologische Komplikationen bei DKA
Sehr seltene Komplikationen umfassen die Diabetische Striatopathie (einseitige Hyperkinesen bei Hyperglykämie >600 mg/dl)5, PRES (Posteriores reversibles Enzephalopathie-Syndrom) mit Sehstörungen durch posteriores Hirnödem6 und zerebrale Ischämien und Sinusvenenthrombosen mit fokalen epileptischen Anfällen. Das Hirnödem gilt als gefährlichste Komplikation, 57-87 % der Todesfälle bei DKA sind auf ein Hirnödem zurückzuführen.7 Es muss daher auf Hirndruckzeichen (soporös/komatös, starke Kopfschmerzen, Erbrechen ohne Übelkeit, träge Pupillenreaktion) geachtet werden.
Langzeitfolgen
Eine DKA ist mit Hirnveränderungen und mittelfristig neurokognitiven Defiziten assoziiert.8-10 Neben diesen neurologischen Langzeitfolgen, ist eine DKA auch Risikofaktor für eine schlechtere Blutzuckereinstellung sowie für weitere DKAs im Krankheitsverlauf.11,12
Kurzgefasst
Das Risiko, welches von einer DKA ausgeht, ist nicht zu unterschätzen. Sie kann sich zu einer neurologischen Notfallsituation entwickeln, die im schlimmsten Fall u. a. bedingt durch ein Hirnödem zum Tod führen kann. Aber auch bei weniger dramatischen Verläufen, ist die DKA ein Risikofaktor für langfristige Komplikationen. Früherkennungsprogramme & Monitoring können helfen, eine metabolisch sanftere Manifestation zu erleben.
Literatur
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Baechle C et al. Diabetes Res Clin Pract. 2023; 197: 110559.
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Hammersen J et al. Pediatr Diabetes 2021; 22: 455–62.

Beta-Zell-Pathophysiologie und C-Peptid als Biomarker
Die Beziehung zwischen Beta-Zellmasse und Glukosehomöostase folgt einer Hyperbel: Bei ausgeprägtem Beta-Zellmangel führen kleine Änderungen zu dramatischen Glukoseveränderungen.1 Eine moderne CGM-Studie (Continuous-Glucose-Monitoring) mit über 900 T1D-Patient*innen zeigt, dass bereits C-Peptid-Spiegel ≥ 50 pmol/l mit besseren CGM-Parametern assoziiert sind, während ≥100 pmol/l mit verbesserter HbA1c-Kontrolle korrelieren.2 Es ist wichtig, die Beta-Zellmasse und -funktion frühzeitig zu schützen, da die meisten Zellen zu Grunde gehen, ehe eine Hyperglykämie auftritt.3
Therapeutische Interventionen
Eine prospektive gepoolte Analyse von 21 Studien mit krankheitsmodifizierenden Immuninterventionen bei frühem T1D zeigt: Während Kontrollpatient*innen in positiv Studien nach zwei Jahren ca. 60 % ihres C-Peptids verlieren, kann dieser Verlust durch aktive Behandlung längerfristig reduziert werden. Die erhaltenen C-Peptid-Spiegel haben einen positiven Effekt auf die glykämische Kontrolle mit signifikant niedrigeren HbA1c-Werten.4
Zukunftsperspektiven
Die Diabetologie entwickelt sich von einer substituierenden zu einer präventiven Disziplin. Zukünftige Ansätze umfassen Kombinationstherapien aus Immunmodulation, Beta-Zell-Protektion und möglicherweise Zellersatztherapien. C-Peptid-Messungen sollten zur Routinediagnostik gehören, um Subtypen zu identifizieren und Therapien zu monitoren.
Kurzgefasst
Beta-Zell-Erhalt ist klinisch hochrelevant: Ein Erhalt auch von geringen C-Peptid-Spiegeln korreliert mit besserer Glukosekontrolle und weniger Hypoglykämien.1,2,4 Moderne krankheitsmodifizierende Therapien können den Beta-Zell-Verlust signifikant reduzieren.4 Eine frühe Identifizierung betroffener Personen verbessert die Möglichkeiten für den Erhalt der Betazellfunktion.
Literatur
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Ritzel RA, et al. Diabetes Care. 2006; 29: 717.
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Stimson RH, et al. Diabetologia. 2026; 69: 59-68.
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Taylor PN, The Lancet Diabetes & Endocrinology. 2023; 11 (12): 915-925.
Heterogenität des Typ-1-Diabetes
Typ-1-Diabetes ist keine homogene Erkrankung, sondern zeigt erhebliche Heterogenität in Genetik, Immunologie, Metabolismus und bedingt durch Umweltfaktoren. Genetisch ist T1D stärker determiniert als Typ-2-Diabetes: 50-80 % der phänotypischen Varianz können durch genetische Varianten erklärt werden.1 Die Literatur identifiziert zwei Haupt-Endotypen: 1) Den früh manifestierenden T1D (Endotyp 1) mit aggressiver Beta-Zell-Zerstörung, hohem Anteil an CD8-positiven T-Zellen und CD20-positiven B-Zellen, HLA-DR4/DQ8-Muster und Insulin-Antikörper als ersten Marker. 2) Spät manifestierender T1D (Endotyp 2) mit residualer Insulinproduktion, geringem Prozentsatz an CD8-positiven T-Zellen und CD20-positiven B-Zellen, HLA-DR3/DQ2-Muster und GAD-Antikörper als führendem Marker.2
Klinische Relevanz und Theratypen
Eine italienische Multi-Omics-Studie mit Flow-Zytometrie, RNA-Sequencing und metabolischem Profiling bei 146 Kindern mit neu diagnostiziertem T1D identifizierte zwölf latente Faktoren, die 50% der Varianz erklärten – jedoch ohne klare Korrelation zum klinischen Phänotyp. Dies deutet darauf hin, dass klinische Variabilität eher aus komplexen Wechselwirkungen als aus diskreten Endotypen entsteht.3 Entscheidender für die Praxis ist die Identifikation von "Theratypen" – Gruppen, die unterschiedlich auf Therapien ansprechen. Mit der wachsenden Liste von Interventionsmöglichkeiten wird die Stratifizierung nach Therapieansprechen zunehmend relevant für personalisierte Behandlungsstrategien.
Kurzgefasst
Typ-1-Diabetes zeigt erhebliche Heterogenität mit zwei Haupt-Endotypen (früh vs. spät manifestierend) mit verschiedenen Biomarkern.2 Die Identifikation von Theratypen wird mit zunehmenden immunmodulatorischen Interventionsmöglichkeiten entscheidend für personalisierte Behandlungsstrategien.
Literatur
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Ilonen J, Lempainen J, Veijola R, Nat Rev Endocrinol. 2019; 15 (11): 635-650.
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Immunologische Grundlagen und CD3-Targeting
Teplizumab ist ein humanisierter Anti-CD3-Antikörper mit modifiziertem Fc-Teil, der nicht mehr an Fc-Rezeptoren bindet. CD3 ist Bestandteil des T-Zell-Rezeptor(TCR)-Komplexes und vermittelt Signale in die Zelle, die zur adaptiven Immunantwort führen.1 Die Entwicklung von Teplizumab begann in den 1980er Jahren mit OKT3, das zwar bei Organtransplantationen wirksam war, aber schwere Zytokinfreisetzungssyndrome verursachte. Lucienne Chatenoud entwickelte in Frankreich das NOD-Mausmodell und zeigte, dass modifizierte Anti-CD3-Antikörper ohne Fc-Rezeptor-Bindung therapeutisch nutzbar sind – eine über 30-jährige Entwicklung bis zur klinischen Anwendung.1
Wirkmechanismus: Drei zentrale Effekte
Teplizumab wirkt über drei Mechanismen: (1) Blindheit: Nach Bindung an CD3 wird der CD3-TCR-Komplex internalisiert, sodass die T-Zelle ihre Antigene nicht mehr erkennen kann; (2) Erschöpfung: Die T-Zelle geht in einen Erschöpfungszustand über und verliert ihre Aktivität; (3) „Friedensstifter“: Induktion regulatorischer T-Zellen (Tregs) durch ein TGF-β-abhängiges Milieu, die das Immunsystem weiter unterdrücken. Im Gegensatz zu OKT3 verursacht Teplizumab durch die fehlende Fc-Rezeptor-Bindung deutlich weniger Zytokinfreisetzung. Schwere Verläufe des Zytokinfreisetzungssyndrom traten bei 0,9 % auf, meist bestehen nur milde grippeähnliche Symptome.2,3
Klinische Perspektive
Aus rheumatologischer Sicht sind drei Prinzipien auf T1D übertragbar: Window of Opportunity (frühe Erkennung verbessert Prognose), neue Behandlungsstrategien (Biologika, JAK-Inhibitoren, CAR-T-Zellen) und Treat-to-Target (Remission als Ziel). Teplizumab bietet als "One-and-Done"-Therapie einen einmaligen 14-tägigen Behandlungszyklus als IV-Infusion, der zur Verzögerung von Typ-1-Diabetes vom Stadium 2 zu Stadium 3 bei Personen ab 8 Jahren eingesetzt wird.3
Kurzgefasst
Teplizumab ist ein Fc-modifizierter humanisierter Anti-CD3-Antikörper, der durch drei Mechanismen wirkt: T-Zell-Blindheit (CD3-Internalisierung), Exhaustion und Treg-Induktion. Die Fc-Modifikation limitiert schwere Zytokinfreisetzungssyndrome (0,9 % schwere Verläufe3). Als einmaliger Therapiezyklus bietet Teplizumab ein innovatives Konzept mit vielversprechenden Zukunftsperspektiven durch frühere Interventionen, Kombinationstherapien und verbesserte Applikationsformen.
Literatur
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Chatenoud L et al. Cold Spring Harb Perspect Med. 2025; 1, 15 (10).
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Herold KC et al. Diabetes Care. 2023; 46 (10): 1848–56.
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Fachinformation Teizeild®, Stand: 01/2026.

Früherkennung als Voraussetzung
Frühe Intervention erfordert zunächst Identifikation von Personen im prä-symptomatischen Stadium des Typ-1-Diabetes. Die Fr1da-Studie ermöglicht durch Autoantikörpertestung im Rahmen kinderärztlicher Vorstellungen diese Früherkennung.1 Die 2-2-2-Regel definiert den diagnostischen Standard: zwei Zeitpunkte, zwei Messmethoden, mindestens zwei diabetes-spezifische Autoantikörper. Dies ermöglicht Staging in Stadium 1 (Normoglykämie + ≥ 2 Autoantikörper), Stadium 2 (Dysglykämie + ≥ 2 Autoantikörper – Window of Opportunity für Teplizumab) und Stadium 3 (klinische Manifestation des T1D). Im Stadium 4 (Long-standing T1D ohne endogene Insulinproduktion) ist Immunmodulation nicht mehr sinnvoll, da keine Beta-Zellen mehr vorhanden sind.2
Praktisches Infusionsmanagement
Am Kinder- und Jugendkrankenhaus auf der Bult erfolgt die Therapie nach einem strukturierten Protokoll: In einem vorbereitenden Ambulanztermin wird die Eignung der Therapie geprüft (T1D in Stadium 2, Alter ≥ 8 Jahre, keine akuten Infektionen, kompletter Impfstatus: Lebendimpfstoffe ≥ 8 Wochen, Totimpfstoffe ≥ 2 Wochen vor Therapie).3,4 Die Dosierung erfolgt anhand der Körperoberfläche (65-1030 µg/m2), die Titration erfolgt über fünf Tage mit einer Infusionsdauer von 45 Minuten (laut Fachinformation über mindestens 30 Minuten) über peripheren Venenzugang. Prämedikation: Antipyretikum, Antihistaminikum, Antiemetikum für die ersten fünf Tage und bei Bedarf länger.3,4 Die Behandlung erfolgt überwiegend tagesstationär.
Nebenwirkungen und psychosoziale Aspekte
Alle Patient*innen zeigten irgendeine Form der Reaktionen (z. B. subfebrile Temperaturen, Schüttelfrost, Inappetenz). Dies ist wichtig für die prätherapeutische Aufklärung und das Erwartungsmanagement der Familien. Alle behandelten Patient*innen beendeten den 14-tägigen Behandlungszyklus. Während der Behandlung zeigten sich positive psychosoziale Aspekte: durch den Kontakt mit manifesten Patient*innen mit T1D erfolgt bereits eine spielerische Auseinandersetzung mit der Erkrankung – eine wertvolle Vorbereitung.
Kurzgefasst
Teplizumab-Infusionsmanagement in der Pädiatrie erfordert strukturierte Vorbereitung mit Früherkennung (z. B. Fr1da), sorgfältiger Patient*innenselektion und standardisiertem Protokoll. Die tagesstationäre Durchführung ist praktikabel. Die intensive Familienzeit und der Kontakt zu Personen mit bereits manifestiertem T1D während der Therapie kann wertvolle psychosoziale Vorbereitung bieten.
Literatur
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Fr1da-Studie: https://www.typ1diabetes-frueherkennung.de/ (letzter Zugriff April 2026).
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JDRF Research Explainer: https://breakthrought1d.org.au/app/uploads/2025/03/Stages-of-T1D-V2.pdf (letzter Zugriff April 2026).
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Fachinformation Teizeild®, Stand: 01/2026.
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Mehta S, et al. Horm Res Paediatr. 2025;98(5):597-608.
Erfahrungen aus der Dermatologie: 20 Jahre Immuntherapie
Bereits seit der Jahrtausendwende beschäftigt sich die Dermatologie mit dem Einsatz von Biologika zur Behandlung von verschiedenen Hauterkrankungen. Mittlerweile stehen mehr als 20 Biologika für Psoriasis und für atopische Dermatitis zusammengenommen zur Verfügung, weitere sind in fortgeschrittener Entwicklung.1,2 Die anfänglichen Bedenken (Langzeitsicherheit, Therapieaufwand, Aufklärung der Patient*innen) erwiesen sich als bewältigbar. Heute werden schwere chronisch-entzündliche Hauterkrankungen primär systemisch-immunmodulatorisch statt äußerlich-immunsuppressiv behandelt.1,2
Parallelen und Unterschiede zur Diabetologie
Während die Dermatologie bei manifester Erkrankung behandelt (reversible Pathologie), muss die Diabetologie präventiv agieren, da Beta-Zellen irreversibel verloren gehen.2,3 Das Window of Opportunity ist eng und momentan auf Stadium 2 begrenzt. Beide Disziplinen teilen die Erkenntnis "too little too late": Je kürzer die Krankheitsdauer bis zur suffizienten Therapie, desto besser der Outcome. Ein faszinierendes Beispiel aus der Dermatologie: Bei Vitiligo führt Immunmodulation plus Phototherapie zur Repigmentierung – "schlafende" Melanozyten werden reaktiviert.4 Ob diese Form der Therapiekombination auch in der Diabetologie greifen kann, muss noch untersucht werden. Eine Idee: Möglicherweise könnten Kombinationen aus Immunmodulation (Teplizumab) und Beta-Zell-Stimulation (GLP-1-Rezeptoragonisten) "schlafende" Beta-Zellen reaktivieren.
Patient*innenkommunikation
Zentrale Empfehlungen für die Beratung: (1) Zeit investieren für transparente Aufklärung über Risiken und Nutzen; (2) Konsequenzen der Nicht-Behandlung aktiv adressieren; (3) Vertrauen aufbauen – es zahlt sich langfristig aus. Der zentrale Unterschied zwischen Dermatologie und Diabetologie liegt auf der Hand: in der Dermatologie sehen die Patient*innen ihre manifeste Erkrankung. In der Diabetologie müssen die Patient*innen ohne Symptome die Vorteile der Behandlung erkennen. Dies macht die Aufklärung besonders.
Kurzgefasst
Der interdisziplinäre Dialog zeigt: Die Diabetologie kann von 20 Jahren Dermatologie-Erfahrung mit Immuntherapien lernen. Zentrale Erkenntnisse sind frühe Intervention ("too little too late"), transparente Patient*innenkommunikation und die Perspektive von Kombinationstherapien. Teplizumab markiert den Beginn einer neuen Ära – mit vielversprechenden neuen Ansätzen.
Literatur
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Nast A et al. J Dtsch Dermatol Ges. 2021; 19(6):934-951.
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Werfel T et al. J Dtsch Dermatol Ges. 2024; 22(2):307-320.
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Böhm, M., et al. S1-Leitlinie: Diagnostik und Therapie der Vitiligo. JDDG: Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft.2022 ; 20: 365-379.
Strukturelle Herausforderungen im Gesundheitssystem
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor fundamentalen Problemen: Fachkräftemangel, steigende Patient*innenzahlen mit komplexen Erkrankungen und limitierte finanzielle Ressourcen. Die GKV-Ausgaben zeigen die Dimensionen: 50 Milliarden Euro ambulant, 55 Milliarden Euro für Arzneimittel, hohe Krankenhauskosten.1 Das propagierte "Primärversorgungssystem" scheitert an der Realität: Die Altersstruktur der Hausärzt:innen zeigt dramatischen Nachwuchsmangel, während gleichzeitig weite Gebiete unterversorgt sind.2 In der Diabetologie verschärft sich das Problem und die sektorale Trennung (ambulant/stationär) mit getrennten Finanzierungstöpfen verhindert effiziente Versorgung.3
Krankenhausreform und DRG-Problematik
Das Krankenhausreformanpassungsgesetz (KHAG) verspricht "Entökonomisierung" und "Entbürokratisierung", ändert aber faktisch nur Kategorien ohne zusätzliche Mittel. Die Diabetologie wurde als Leistungsgruppe 2 definiert, aber viele Kliniken beantragen diese nicht – mit fatalen Folgen für die Nachwuchsausbildung.4 Die DDG beantragte eine neue OPS-Ziffer für Autoantikörper-Infusionen (wie Teplizumab), um adäquate Erstattung zu ermöglichen.5 Ohne strukturelle Änderungen droht der Verlust diabetologischer Expertise in Kliniken, da die meisten Krankenhäuser defizitär arbeiten und Diabetologie ökonomisch unattraktiv erscheint.4
Finanzierungskrise und Digitalisierungschancen
Die Finanzkommission Gesundheit plant drastische Kürzungen: minus 5 Milliarden Euro bei vertragsärztlichen Leistungen (faktisch 10% Vergütungsreduktion ohne Inflationsausgleich), minus 12,8 Milliarden Euro bei Krankenhäusern bis 2030. Gleichzeitig sollen Apotheken Präventionsaufgaben übernehmen (Blutdruck, Blutzucker, Blutfette messen) – ohne klare Weiterbehandlungskonzepte.6 Als Lösungsansatz schlägt der BVND ein revolutionäres Konzept der Digitalisierung vor: bundeseinheitlicher Standard statt 3.500 Einzelverträge, sektorübergreifende Integration, KI-Assistenz, dedizierte Diabetes-Management-Systeme mit Alert-Funktionen. Patient*innen mit Frühstadien des T1D (R76.80, R73.00) sollten ins DMP Typ 1 aufgenommen werden, um Verluste im Übergang zu vermeiden. Digitalisierung als Chance: Nicht analoge Prozesse elektrifizieren, sondern völlig neu denken.7,8
Kurzgefasst
Die strukturellen Probleme des Gesundheitssystem sind auch in der Diabetologie spürbar und stellen die Patient*innenversorgung vor gravierende Probleme. Bisherige Lösungsansätze sind oft zu kurz gedacht. Neue Ideen wie ein revolutionäres digitales DMP mit sektorübergreifender Integration, KI-Unterstützung und neuen Vergütungsstrukturen für innovative Therapien könnten für Verbesserungen sorgen.
Literatur
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https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/zahlen_und_grafiken/gkv_kennzahlen/gkv_kennzahlen.jsp (letzter Zugriff April 2026).
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Spitzer, S.G. Mit integrierter Versorgung sektorale Schranken überwinden. Internist 61, 903–911 (2020).
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https://www.ddg.info/diabetes-zeitung/ddg-02/2025/leistungsgruppen-sinnvoll-definieren (letzter Zugriff April 2026).
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https://multimedia.gsb.bund.de/BfArM/downloads/klassifikationen/ops/vorschlaege/vorschlaege2027/ops2027-128-gabe-von-teplizumab.pdf (letzter Zugriff April 2026).
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https://www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit (letzter Zugriff April 2026).
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https://www.bvnd.de/fileadmin/user_upload/bvnd/Publikationen/Positionspapier_Digitalisierung_20181107_Neu.pdf (letzter Zugriff April 2026).
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Deutsche Diabetes Gesellschaft. Positionspapier: Digitales Disease-Management-Programm Diabetes. Diabetologie. 2025;20(4):234-241.

Paradigmenwechsel: Vom binären zum kontinuierlichen Denken
Die traditionelle binäre Diabetesklassifikation (Typ 1 vs. Typ 2) wird der klinischen Realität nicht gerecht. Stattdessen sollte Diabetes als Kontinuum zwischen Insulindefizit und Insulinresistenz verstanden werden – wie zwei Radiokanäle mit variabler Lautstärke. Die Autoantikörperbestimmung als Screening (präsymptomatische Stadien) unterscheidet sich fundamental von der Bestimmung zur Differenzialdiagnostik (bei bereits erhöhten Glukosewerten).1
Fallbeispiel 1: LADA – verpasste Chance für frühe Intervention
29-jähriger Patient aus Mexiko, BMI 40, Familienanamnese: "alle dick", vermeintlicher "Typ-2-Diabetes" seit 10 Jahren, komplett therapiert. Laborauffälligkeiten: Trotz Adipositas normale Triglyzeride, normales LDL, normaler Blutdruck – "Disconfirming Evidence" gegen Typ-2-Diagnose. COVID-bedingte schwere Ketoazidose deckte die Wahrheit auf: GAD-Antikörper hochpositiv, C-Peptid bei null. Diagnose: LADA (Latent Autoimmune Diabetes in Adults). Lernpunkt: Systematische Autoantikörperbestimmung bei atypischer Präsentation (kein Hinweis auf metabolisches Syndrom) hätte Jahre früher zur T1D-Diagnose geführt – potenziell im Stadium 2, wo Teplizumab Beta-Zell-Funktion hätte erhalten können. Stattdessen erfolgte die Diagnose erst nach irreversiblem Beta-Zell-Verlust.
Fallbeispiel 2: Antikörper-negativer Typ-1 – Grenzen der Früherkennung
37-jährige Schwangere mit scheinbarem Gestationsdiabetes, Bruder mit Typ-1-Diabetes, HbA1c 6,3% bei BMI 20. Postpartal progrediente Beta-Zell-Erschöpfung: C-Peptid von initial 1,24 nmol/l (stimuliert) auf 0,33 nmol/l, mehrfache Autoantikörperbestimmung jedes Mal negativ. Diagnose: Antikörper-negativer Typ-1-Diabetes. Dieser Fall illustriert die Limitation aktueller Einsatz-Strategien: Trotz eines T1D ist diese Patientin nicht für den Einsatz der Therapie geeignet aufgrund der fehlenden Autoantikörper. Zukünftige Biomarker jenseits klassischer Autoantikörper sind notwendig, um diese Patient*innengruppe zu erfassen.
Fallbeispiel 3: Pankreaskarzinom – Differenzialdiagnose vor Intervention
Typ-2-Diabetiker mit paradoxer Therapieresistenz nach SGLT2i-Beginn: HbA1c 8,6%, extrem hohes C-Peptid (2,23 nmol/l) bei schlechter Glukosekontrolle. Diagnose nach Monaten: 4 cm Pankreaskopftumor. Lernpunkt für Teplizumab-Ära: Vor Immuntherapie sorgfältige Differenzialdiagnose essentiell. Ungewöhnliche Diskrepanzen zwischen Insulinkapazität und Glukosekontrolle erfordern Abklärung.
Praktische Empfehlungen
Systematisches Hinschauen & "Disconfirming Evidence" beachten: Bei atypischer Präsentation (u. a. schlanke "Typ-2-Diabetiker", junge Erwachsene, metabolische Diskrepanzen, Familienanamnese T1D) großzügig alle Antikörper (GAD, IA-2, ZnT8, IAA) plus C-Peptid bestimmen.1 Früherkennung priorisieren: Die Studienteilnahme bei Fr1da für Verwandte ist bis zum Alter von 21 Jahren deutschlandweit möglich.2 Verlaufsmonitoring: Bei unklaren Fällen regelmäßige C-Peptid-Kontrollen – progrediente Abnahme identifiziert Kandidaten für frühe Intervention.
Kurzgefasst
Die Teplizumab-Ära erfordert Paradigmenwechsel in der Diabetesdifferenzialdiagnose: Systematisches Antikörper-Screening bei dysglykämischen Patient*innen mit atypischer Präsentation (AABBCC-Kriterien) identifiziert T1D-Patient*innen im Stadium 2. Der Schlüssel zum Erfolg: "Disconfirming Evidence" ernst nehmen, um rechtzeitig die richtige Diagnose zu stellen und den Patient*innen so die Chance auf eine Immuntherapie zu ermöglichen.
Literatur
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Wagner R, et al. Diab. Res. and Clin. Prac. 2026; 231.
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Teilnahme Fr1da für Verwandte deutschlandweit. (letzter Zugriff April 2026) https://www.typ1diabetes-frueherkennung.de/teilnahme-fr1da-studie/teilnahme-fr1da-studie-fuer-verwandte-deutschlandweit/index.html
Drei Wege zur Diagnose: Von Crash-Landing bis Soft-Landing
Drei Fallbeispiele illustrieren die Bandbreite der Diabetesmanifestation: Mats (9 Monate alt): Schwere Ketoazidose mit pH 6,9, HbA1c 13,7% – klassisches "Crash-Landing" mit potenziell langfristigen neurokognitiven Folgen. Benji (15 Jahre): Beginnende Azidose, HbA1c im hohen zweistelligen Bereich, Familienanamnese mit T1D beim Großvater und Hashimoto bei der Mutter – verpasste Chance für Früherkennung trotz klarer Risikofaktoren. Tessi (8 Jahre): Dank aufmerksamer Mutter Diagnose bei HbA1c 6,3% ohne Symptome – ideales "Soft-Landing" mit 18-monatigem Monitoring vor Insulinbeginn. Nur eine von drei landete sanft, obwohl bei allen Autoimmunerkrankungen in der Familie vorlagen. Der inakzeptable Status quo: 30-40% Ketoazidose-Rate bei Manifestation, neurokognitives Risiko, hoher Ausgangs-HbA1c als Prädiktor für langfristig schlechtere Kontrolle.1-6 Das Vorliegen anderer Autoimmunerkrankungen führt zu einem 2-12-fach erhöhten Risiko für das Auftreten von T1D.7-11
Adipositas als Brandbeschleuniger der Autoimmunität
T1D ist ein Zweifrontenkrieg: Autoimmunität und Glukosetoxizität schädigen die Beta-Zellen. Bei adipösen Typ-1-Kindern entsteht ein Dreifrontenkrieg: Autoimmunität + Glukosetoxizität + Adipositas-induzierte Inflammation.12,13 Adipositas fungiert als "Brandbeschleuniger": Chronische Inflammation, veränderte Adipokine (erhöhtes Leptin, erniedrigtes Adiponektin), Zytokin-Dysregulation (IL-6, TNF-α) und gestörter neuroendokriner Crosstalk führen dazu, dass Immunzellen "falsch feuern". Erhöhtes Leptin hemmt regulatorische T-Zellen (Tregs) – die "Friedensstifter" des Immunsystems – und fördert chronische Inflammation.14 "Double Diabetes" (T1D + Insulinresistenz) führt zu früherer Dekompensation, und langfristig verheerenden mikro- und makrovaskulären Komplikationen. Er ist also keinesfalls besser als "reiner" T1D.
Tessi: Erfolgsgeschichte der Früherkennung
18 Monate Monitoring ohne Insulin: 83% Time-in-Range (bis 180 mg/dl), HbA1c 6,3%, Familien lernen über Ernährung, Bewegung, Glukosedynamik. Insulinbeginn bei HbA1c 6,3% trotz Bedenken einiger Kolleg*innen. Aktuell: 91% Time-in-Range, keine Hypoglykämien, höchster jemals gemessener HbA1c 6,6%, C-Peptid >1,0 nmol/l – nie echte Glukosetoxizität erlebt, minimale Glukosevariabilität durch erhaltene Beta-Zell-Funktion. Mutter retrospektiv: "Alles war gut, hätte nur noch früher mit Insulin beginnen wollen." Früherkennung erfordert stadiengerechte Begleitung: Nicht "too little too late", aber auch nicht "too much too early" sondern eine Balance zwischen Information und Überforderung.
Kurzgefasst
Früherkennung ermöglicht "Soft-Landing" statt Ketoazidose mit neurokognitiven Folgen. Tessi zeigt: 18 Monate Beobachtung mit Familienlernen, dann Insulinbeginn bei HbA1c 6,3%, aktuell 91% TIR mit erhaltener Beta-Zell-Funktion. "Time is brain" (Neurologie) wird zu "Timing is better cell" (Diabetologie) – mit dem C-Peptid als neuer König der Laborparameter.
Literatur
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Die vorliegende Zusammenfassung der Veranstaltung Hauptstadt-Symposium Diabetes 2026 wurde mit Unterstützung einer künstlichen Intelligenz erstellt, um die Kernpunkte der Vorträge prägnant und strukturiert wiederzugeben.
MAT-DE-2601111-1.0-04/2026
