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Diese Website richtet sich an medizinische Fachkreise in Deutschland.

„Eine Ärztin in einem Beratungsgespräch mit einem älteren Patienten; sie zeigt auf ein Tablet, auf dem das Textfeld ‚Dein CV-Risiko → Dein LDL-C-Zielwert‘ und ein Schutzschild-Symbol mit einem Pluszeichen zu sehen sind.“

Was ändert sich mit dem 2025 Focused Update der ESC/EAS-Leitlinie für Dyslipidämie? 

Das 2025 Focused Update aktualisiert die 2019 ESC/EAS-Leitlinien für das Management von Dyslipidämien auf Basis neuer randomisierter Studien und Metaanalysen, die bis zum 31. März 2025 publiziert wurden.1 
Wichtig für die Praxis: Die grundsätzlichen LDL-C-Zielwerte je Risikokategorie wurden gegenüber 2019 nicht verändert – aktualisiert wurden z.B. folgende Bereiche:1 

  • Einführung von SCORE2/SCORE2-OP anstelle des bisherigen SCORE-Algorithmus zur Risikoschätzung
  • Neue Empfehlungen zur medikamentösen LDL-C-Senkung, u. a. zu Nicht-Statin-basierter Therapie bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie (HoFH)
  • Neue Empfehlungen zur Kombinationstherapie während der Index-Hospitalisierung bei ACS
  • Präzisierungen zur Bestimmung und Bedeutung von Lipoprotein(a) [Lp(a)]
  • Empfehlungen zur Statin-Therapie bei Menschen mit HIV-Infektion und bei onkologischen Patient*innen mit hohem kardiotoxischem Risiko
     

Warum ist der frühzeitige Behandlungsbeginn aus Sicht der ESC/EAS-Task Force praxisrelevant? 

Die ESC/EAS-Task Force betont einen konzeptionellen Aspekt mit hoher Praxisrelevanz: Atherosklerose ist eine chronisch-progrediente Erkrankung, die früh im Leben beginnt. Eine kumulative Exposition gegenüber hohen LDL-C-Werten in jüngeren Jahren ist mit einem höheren ASCVD-Risiko im späteren Leben assoziiert – eine frühzeitig niedrigere Exposition gegenüber atherogenen Lipiden kann das lebenslange kardiovaskuläre Risiko dagegen reduzieren.1 

Wie wird das kardiovaskuläre Risiko bei ASCVD-Patient*innen eingestuft – mit und ohne vorangegangenes Ereignis? 

Für Personen ohne bekannte kardiovaskuläre (CV) Erkrankung empfiehlt das Update SCORE2 (40–69 Jahre) beziehungsweise SCORE2-OP (≥70 Jahre) zur Schätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliche und nicht-tödliche CV-Ereignisse.1 Klinisch bedeutsam für die Kardiologie, Nephrologie und Diabetologie: SCORE2/SCORE2-OP wurden an Kohorten ohne bestehende ASCVD und ohne lipidsenkende Therapie entwickelt. Sie dürfen daher nicht zur Risikoschätzung bei Patient*innen mit bestehender ASCVD oder unter laufender lipidsenkender Therapie verwendet werden – auch nicht, um das Risiko nach Therapiebeginn anhand neuer Lipidwerte „neu zu bewerten“.1 

Erfahren Sie mehr zur CV-Risikoabschätzung

Welche LDL-C-Zielwerte gelten je nach Risikokategorie?

Die Zielwerte selbst wurden im 2025 Focused Update, nicht verändert.1,2

RisikokategorieLDL-C-ZielwertZusätzliche Anforderung
Gering< 116 mg/dl (< 3,0 mmol/l)–
Moderat< 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l)–
Hoch< 70 mg/dl (< 1,8 mmol/l)≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert
Sehr hoch< 55 mg/dl (< 1,4 mmol/l)≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert
Extrem hoch#< 40 mg/dl (< 1,0 mmol/l)≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert

„LDL-C-Zielwerte in mg/dl und mmol/l nach Risikokategorie gemäß 2025 Focused Update der ESC/EAS-Leitlinie für Dyslipidämien.“

Ergänzend weist das Update auf Lipoprotein(a) [Lp(a)] als eigenständigen, überwiegend genetisch determinierten Risikofaktor hin: Werte über 50 mg/dl (105 nmol/l) gelten als risikoverstärkend, mit steigendem Risiko bei höheren Werten. Eine Lp(a)-Bestimmung wird mindestens einmal im Leben jeder erwachsenen Person empfohlen, insbesondere bei jüngeren Patient*innen mit FH oder vorzeitiger ASCVD.1

Wie sieht die empfohlene Therapiestrategie in der Praxis aus?

Ein risikoadaptierter Ablauf für die Praxis 

  • Risiko ermitteln: Kardiovaskuläres Risiko mittels SCORE2/SCORE2-OP bestimmen – bei Personen ohne bekannte ASCVD, Diabetes§, CKD oder genetische/seltene Lipid- bzw. Blutdruckerkrankungen.1 Bei ASCVD-Patient*innen gilt die Einstufung als sehr hohes Risiko - bei rezidivierenden vaskulären Ereignissen trotz maximaler tolerierter Statin-basierter Therapie oder bei polyvaskulärer Erkrankung als extrem hohes Risiko, unabhängig von einem SCORE2-Ergebnis.#,1 
  • Therapie früh beginnen: Die Intensität der LDL-C-Senkung richtet sich nach dem individuellen Risiko und dem unbehandelten LDL-C-Ausgangswert.1
  • Kontrollieren: LDL-C-Werte sollten 4 bis 6 Wochen nach Beginn oder Intensivierung einer lipidsenkenden Therapie gemessen werden, da die individuelle Ansprechrate auf jede Therapie erheblich variieren kann.1
  • Evaluieren und eskalieren: Wird der Zielwert nicht erreicht, empfiehlt das Update eine schrittweise Therapieintensivierung beziehungsweise Kombinationstherapie.1 
     
Erfahren Sie mehr zum leitliniengerechten Therapiealgorithmus

Welche Therapieoptionen bestehen bei Statin-Intoleranz? 

Nicht-Statin-basierte lipidsenkende Therapien als Option

Für Patient*innen, die aufgrund von Nebenwirkungen Statine nicht einnehmen können, empfiehlt das Update den Einsatz nicht-Statin-basierter Therapien mit nachgewiesenem CV-Nutzen – allein oder in Kombination –, um den LDL-C-Wert zu senken und das Risiko für CV-Ereignisse zu reduzieren. Die Wahl richtet sich nach dem Ausmaß der benötigten zusätzlichen LDL-C-Senkung, der Patient*innennpräferenz, der Verfügbarkeit und den Kosten.1

Was ändert sich für die Lipidsenkung bei akutem Koronarsyndrom (ACS)? 

Vorgehen während der stationären Aufnahme bei akutem Koronarsyndrom

Patient*innen nach ACS tragen ein besonders hohes Risiko für ein erneutes CV-Ereignis, insbesondere im ersten Jahr nach Entlassung: Beobachtungsdaten zeigen eine kumulative Inzidenz von 10 % für einen zweiten Myokardinfarkt, Schlaganfall oder CV-Tod innerhalb der ersten 100 Tage nach einem Herzinfarkt3, die nach 5 Jahren auf 33 % ansteigt.4 Selbst im günstigen Verlauf kann es beim bisherigen stufenweisen Vorgehen bis zu 12 Wochen dauern, bis Patient*innen eine optimale LDL-C-senkende Therapie erhalten.2 

„Je früher, je niedriger, desto besser“ als Therapiestrategie bei ACS

Entsprechend empfiehlt das ESC/EAS-Update, bei allen ACS-Patient*innen eine frühe, intensive LDL-C-Senkung mit sofortigem Beginn einer Statin-Therapie und – abhängig von der Vortherapie – zusätzlicher nicht-Statin-basierter Therapie zu erwägen.1 

Alle Neuerungen des 2025 Focused Update im Detail

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Fußnoten

# Patient*innen mit ASCVD, die trotz maximal tolerierter Statin-basierter Therapie rezidivierende vaskuläre Ereignisse erleiden, sowie Patient*innen mit polyvaskulärer Erkrankung (z. B. koronar und peripher);1
§ Für Patient*innen mit Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) ohne ASCVD empfehlen dieESC-Leitlinien 2023 zur kardiovaskulären Erkrankungsprävention bei Patient*innen mit Diabetes die Verwendung des SCORE2-Diabetes-Algorithmus zur Schätzung des 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen.1

Abkürzungsverzeichnis

ASCVD =  Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung; CKD = chronische Nierenerkrankung; CV = kardiovaskulär;  EAS =  European Atherosclerosis Society; ESC =  European Society of Cardiology; FH = Familiäre Hypercholesterinämie; LDL-C = Lipoprotein-Cholesterin niederer Dichte; SCORE2 / SCORE2-OP = Systematic Coronary Risk Evaluation 2 (systematische Schätzung des koronaren Risikos) / -Older Persons (ältere Personen)

Zuletzt überprüft am 06.10.2026

Referenzen

  1. Mach F, Koskinas KC, Roeters van Lennep JE, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2025;46:4359-4378. doi:10.1093/eurheartj/ehaf190.
  2. Mach F, Baigent C, Catapano AL, et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. Eur Heart J. 2020;41(1):111-188. doi:10.1093/eurheartj/ehz455;
  3. Jernberg T, Hasvold P, Henriksson M et al. Cardiovascular risk in post-myocardial infarction patients: nationwide real world data demonstrate the importance of a long-term perspective. Eur Heart J. 2015;36:1163–70. doi:10.1093/eurheartj/ehu505;
  4. Steen DL, Khan I, Andrade K et al. Event rates and risk factors for recurrent cardiovascular events and mortality in a contemporary post acute coronary syndrome population representing 239 234 patients during 2005 to 2018 in the United States. J Am Heart Assoc. 2022;11:e022198. doi:10.1161/JAHA.121.022198.
     

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