- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 12.10.2026
LDL-C-Zielwerte: ESC/EAS Update 2025

Inhaltsverzeichnis
- Was ändert sich mit dem 2025 Focused Update der ESC/EAS-Leitlinie für Dyslipidämie?
- Wie wird das kardiovaskuläre Risiko bei ASCVD-Patient*innen eingestuft – mit und ohne vorangegangenes Ereignis?
- Welche LDL-C-Zielwerte gelten je nach Risikokategorie?
- Wie sieht die empfohlene Therapiestrategie in der Praxis aus?
- Welche Therapieoptionen bestehen bei Statin-Intoleranz?
- Was ändert sich für die Lipidsenkung bei ACS?
Was ändert sich mit dem 2025 Focused Update der ESC/EAS-Leitlinie für Dyslipidämie?
Das 2025 Focused Update aktualisiert die 2019 ESC/EAS-Leitlinien für das Management von Dyslipidämien auf Basis neuer randomisierter Studien und Metaanalysen, die bis zum 31. März 2025 publiziert wurden.1
Wichtig für die Praxis: Die grundsätzlichen LDL-C-Zielwerte je Risikokategorie wurden gegenüber 2019 nicht verändert – aktualisiert wurden z.B. folgende Bereiche:1
- Einführung von SCORE2/SCORE2-OP anstelle des bisherigen SCORE-Algorithmus zur Risikoschätzung
- Neue Empfehlungen zur medikamentösen LDL-C-Senkung, u. a. zu Nicht-Statin-basierter Therapie bei homozygoter familiärer Hypercholesterinämie (HoFH)
- Neue Empfehlungen zur Kombinationstherapie während der Index-Hospitalisierung bei ACS
- Präzisierungen zur Bestimmung und Bedeutung von Lipoprotein(a) [Lp(a)]
- Empfehlungen zur Statin-Therapie bei Menschen mit HIV-Infektion und bei onkologischen Patient*innen mit hohem kardiotoxischem Risiko
Warum ist der frühzeitige Behandlungsbeginn aus Sicht der ESC/EAS-Task Force praxisrelevant?
Die ESC/EAS-Task Force betont einen konzeptionellen Aspekt mit hoher Praxisrelevanz: Atherosklerose ist eine chronisch-progrediente Erkrankung, die früh im Leben beginnt. Eine kumulative Exposition gegenüber hohen LDL-C-Werten in jüngeren Jahren ist mit einem höheren ASCVD-Risiko im späteren Leben assoziiert – eine frühzeitig niedrigere Exposition gegenüber atherogenen Lipiden kann das lebenslange kardiovaskuläre Risiko dagegen reduzieren.1
Wie wird das kardiovaskuläre Risiko bei ASCVD-Patient*innen eingestuft – mit und ohne vorangegangenes Ereignis?
Für Personen ohne bekannte kardiovaskuläre (CV) Erkrankung empfiehlt das Update SCORE2 (40–69 Jahre) beziehungsweise SCORE2-OP (≥70 Jahre) zur Schätzung des 10-Jahres-Risikos für tödliche und nicht-tödliche CV-Ereignisse.1 Klinisch bedeutsam für die Kardiologie, Nephrologie und Diabetologie: SCORE2/SCORE2-OP wurden an Kohorten ohne bestehende ASCVD und ohne lipidsenkende Therapie entwickelt. Sie dürfen daher nicht zur Risikoschätzung bei Patient*innen mit bestehender ASCVD oder unter laufender lipidsenkender Therapie verwendet werden – auch nicht, um das Risiko nach Therapiebeginn anhand neuer Lipidwerte „neu zu bewerten“.1
Welche LDL-C-Zielwerte gelten je nach Risikokategorie?
Die Zielwerte selbst wurden im 2025 Focused Update, nicht verändert.1,2
| Risikokategorie | LDL-C-Zielwert | Zusätzliche Anforderung |
| Gering | < 116 mg/dl (< 3,0 mmol/l) | – |
| Moderat | < 100 mg/dl (< 2,6 mmol/l) | – |
| Hoch | < 70 mg/dl (< 1,8 mmol/l) | ≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert |
| Sehr hoch | < 55 mg/dl (< 1,4 mmol/l) | ≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert |
| Extrem hoch# | < 40 mg/dl (< 1,0 mmol/l) | ≥ 50 % Reduktion vom Ausgangswert |
„LDL-C-Zielwerte in mg/dl und mmol/l nach Risikokategorie gemäß 2025 Focused Update der ESC/EAS-Leitlinie für Dyslipidämien.“
Ergänzend weist das Update auf Lipoprotein(a) [Lp(a)] als eigenständigen, überwiegend genetisch determinierten Risikofaktor hin: Werte über 50 mg/dl (105 nmol/l) gelten als risikoverstärkend, mit steigendem Risiko bei höheren Werten. Eine Lp(a)-Bestimmung wird mindestens einmal im Leben jeder erwachsenen Person empfohlen, insbesondere bei jüngeren Patient*innen mit FH oder vorzeitiger ASCVD.1
Wie sieht die empfohlene Therapiestrategie in der Praxis aus?
Ein risikoadaptierter Ablauf für die Praxis
- Risiko ermitteln: Kardiovaskuläres Risiko mittels SCORE2/SCORE2-OP bestimmen – bei Personen ohne bekannte ASCVD, Diabetes§, CKD oder genetische/seltene Lipid- bzw. Blutdruckerkrankungen.1 Bei ASCVD-Patient*innen gilt die Einstufung als sehr hohes Risiko - bei rezidivierenden vaskulären Ereignissen trotz maximaler tolerierter Statin-basierter Therapie oder bei polyvaskulärer Erkrankung als extrem hohes Risiko, unabhängig von einem SCORE2-Ergebnis.#,1
- Therapie früh beginnen: Die Intensität der LDL-C-Senkung richtet sich nach dem individuellen Risiko und dem unbehandelten LDL-C-Ausgangswert.1
- Kontrollieren: LDL-C-Werte sollten 4 bis 6 Wochen nach Beginn oder Intensivierung einer lipidsenkenden Therapie gemessen werden, da die individuelle Ansprechrate auf jede Therapie erheblich variieren kann.1
- Evaluieren und eskalieren: Wird der Zielwert nicht erreicht, empfiehlt das Update eine schrittweise Therapieintensivierung beziehungsweise Kombinationstherapie.1
Welche Therapieoptionen bestehen bei Statin-Intoleranz?
Nicht-Statin-basierte lipidsenkende Therapien als Option
Für Patient*innen, die aufgrund von Nebenwirkungen Statine nicht einnehmen können, empfiehlt das Update den Einsatz nicht-Statin-basierter Therapien mit nachgewiesenem CV-Nutzen – allein oder in Kombination –, um den LDL-C-Wert zu senken und das Risiko für CV-Ereignisse zu reduzieren. Die Wahl richtet sich nach dem Ausmaß der benötigten zusätzlichen LDL-C-Senkung, der Patient*innennpräferenz, der Verfügbarkeit und den Kosten.1
Was ändert sich für die Lipidsenkung bei akutem Koronarsyndrom (ACS)?
Vorgehen während der stationären Aufnahme bei akutem Koronarsyndrom
Patient*innen nach ACS tragen ein besonders hohes Risiko für ein erneutes CV-Ereignis, insbesondere im ersten Jahr nach Entlassung: Beobachtungsdaten zeigen eine kumulative Inzidenz von 10 % für einen zweiten Myokardinfarkt, Schlaganfall oder CV-Tod innerhalb der ersten 100 Tage nach einem Herzinfarkt3, die nach 5 Jahren auf 33 % ansteigt.4 Selbst im günstigen Verlauf kann es beim bisherigen stufenweisen Vorgehen bis zu 12 Wochen dauern, bis Patient*innen eine optimale LDL-C-senkende Therapie erhalten.2
„Je früher, je niedriger, desto besser“ als Therapiestrategie bei ACS
Entsprechend empfiehlt das ESC/EAS-Update, bei allen ACS-Patient*innen eine frühe, intensive LDL-C-Senkung mit sofortigem Beginn einer Statin-Therapie und – abhängig von der Vortherapie – zusätzlicher nicht-Statin-basierter Therapie zu erwägen.1
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Beide Algorithmen wurden an Kohorten ohne bestehende ASCVD und ohne lipidsenkende Therapie entwickelt. Sie sind daher nicht geeignet, das Risiko bei Personen mit bestehender ASCVD oder unter laufender Therapie zu schätzen oder „neu zu bewerten“.1
Das Update empfiehlt eine Kontrolle des LDL-C-Wertes 4 bis 6 Wochen nach Beginn oder Intensivierung einer lipidsenkenden Therapie, da die individuelle Ansprechrate auf eine gegebene Substanz oder Kombination erheblich variieren kann.1
Lp(a) ist ein überwiegend genetisch determinierter, kausaler Risikofaktor. Da erhöhte Werte das Risiko unabhängig von anderen Faktoren steigern und population-basierte Risikoscores dies nicht abbilden, wird eine einmalige Bestimmung im Erwachsenenalter empfohlen – insbesondere bei jüngeren Patient*innen mit familiärer Hypercholesterinämie oder vorzeitiger ASCVD.1
Fußnoten
# Patient*innen mit ASCVD, die trotz maximal tolerierter Statin-basierter Therapie rezidivierende vaskuläre Ereignisse erleiden, sowie Patient*innen mit polyvaskulärer Erkrankung (z. B. koronar und peripher);1
§ Für Patient*innen mit Typ-2-Diabetes mellitus (T2DM) ohne ASCVD empfehlen dieESC-Leitlinien 2023 zur kardiovaskulären Erkrankungsprävention bei Patient*innen mit Diabetes die Verwendung des SCORE2-Diabetes-Algorithmus zur Schätzung des 10-Jahres-Risikos für kardiovaskuläre Erkrankungen.1
Abkürzungsverzeichnis
ASCVD = Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung; CKD = chronische Nierenerkrankung; CV = kardiovaskulär; EAS = European Atherosclerosis Society; ESC = European Society of Cardiology; FH = Familiäre Hypercholesterinämie; LDL-C = Lipoprotein-Cholesterin niederer Dichte; SCORE2 / SCORE2-OP = Systematic Coronary Risk Evaluation 2 (systematische Schätzung des koronaren Risikos) / -Older Persons (ältere Personen)
Zuletzt überprüft am 06.10.2026
Referenzen
- Mach F, Koskinas KC, Roeters van Lennep JE, et al. 2025 Focused Update of the 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias. Eur Heart J. 2025;46:4359-4378. doi:10.1093/eurheartj/ehaf190.
- Mach F, Baigent C, Catapano AL, et al. 2019 ESC/EAS Guidelines for the management of dyslipidaemias: lipid modification to reduce cardiovascular risk. Eur Heart J. 2020;41(1):111-188. doi:10.1093/eurheartj/ehz455;
- Jernberg T, Hasvold P, Henriksson M et al. Cardiovascular risk in post-myocardial infarction patients: nationwide real world data demonstrate the importance of a long-term perspective. Eur Heart J. 2015;36:1163–70. doi:10.1093/eurheartj/ehu505;
- Steen DL, Khan I, Andrade K et al. Event rates and risk factors for recurrent cardiovascular events and mortality in a contemporary post acute coronary syndrome population representing 239 234 patients during 2005 to 2018 in the United States. J Am Heart Assoc. 2022;11:e022198. doi:10.1161/JAHA.121.022198.
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