- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 20.08.2026
Hitze in Deutschland: Was gilt für Menschen mit Diabetes?

Inhaltsverzeichnis
- Wie geht es mit den Hitzewellen in Deutschland weiter?
- Wie beeinflusst Hitze den Insulinmetabolismus?
- Wie beeinträchtigt Diabetes die physiologische Reaktion auf Hitze?
- Welche Hitzerisiken bestehen für Menschen mit Diabetes?
- Welche Komorbiditäten und Medikamente können Hitzerisiken bei Diabetes verstärken?
- Hitzewellen: Welche Empfehlungen gelten für Menschen mit Diabetes?
- Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie geht es mit den Hitzewellen in Deutschland weiter?
Hitzewellen, wie man sie bislang nur aus der Mittelmeerregion kannte, haben inzwischen auch Deutschland erfasst.7 Das Umweltbundesamt geht davon aus, dass hierzulande in den Sommermonaten die Anzahl sogenannter „heißer Tage“ in den nächsten Jahrzehnten steigen wird. Damit gemeint sind Tage mit Höchsttemperaturen von mindestens 30 Grad Celsius. Dieser Temperaturanstieg kann negative Folgen für die menschliche Gesundheit haben.10 Menschen mit Diabetes sind besonders von Hitzeereignissen betroffen. Dabei können sich diese Hitzeereignisse und Diabetes gegenseitig beeinflussen.1-6
Wie beeinflusst Hitze den Insulinmetabolismus?
Bei Hitze versucht der Körper, seine Temperatur mit verschiedenen Mechanismen innerhalb des physiologischen Bereichs zu halten. Dadurch können andere Körperfunktionen beeinträchtigt werden – insbesondere auch die Insulinsignalwege und damit der Glukosestoffwechsel.5
| Mechanismus der Temperaturregulierung5 | Mögliche Folgen5 |
|---|---|
| Erweiterung der peripheren Gefäße, um den Blutfluss zur Haut umzuleiten |
|
| Verstärkte Transpiration / Dehydration |
|
Die Insulin-Signalwege werden durch verschiedene Hitze-assoziierte Mechanismen gestört, unter anderem:5
- Hemmung der Insulinwirkung in den Zellen
- Verminderung des Blutflusses in insulinsensitive Gewebe
Insgesamt kann Hitze die Entwicklung einer Insulinresistenz und damit eines Typ-2-Diabetes fördern.5,6
Wie beeinträchtigt Diabetes die physiologische Reaktion auf Hitze?
Hitze verändert den Insulin- und Glukosestoffwechsel. Umgekehrt kann eine Diabetes-Erkrankung die Reaktion des Körpers auf Hitze beeinflussen. Das heißt, Menschen mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes reagieren anders auf Hitzestress als Stoffwechselgesunde:5
- Sie haben eine beeinträchtigte Vasodilatation.
- Ihre Schweißproduktion ist gestört – häufig vermindert.
- Menschen mit Typ-1-Diabetes haben eine reduzierte Schweißproduktion im Bereich der unteren Extremitäten und eine erhöhte Schweißproduktion im Bereich des Oberkörpers.
- Menschen mit Typ-2-Diabetes haben eine verminderte Schweißreaktion, die mit einer geringeren Innervation der Schweißdrüsen einhergeht.
Das Ausmaß der beeinträchtigten Reaktion auf Hitze bei Menschen mit Diabetes hängt von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel:5
- Dauer der Diabetes-Erkrankung
- Glykämische Kontrolle
- Bestehende periphere Neuropathien
Welche Hitzerisiken bestehen für Menschen mit Diabetes?
Angesichts der beschriebenen physiologischen Zusammenhänge haben Menschen mit Diabetes bei hohen Temperaturen ein erhöhtes Risiko für Komplikationen:
- Kardiovaskuläre Ereignisse5
- Hospitalisierungen und Inanspruchnahme der Notfallambulanzen – vor allem bei Menschen ab 65 Jahren1
- Hospitalisierungen aufgrund von Ketoazidosen, hyperosmolaren Hyperglykämien und Hypoglykämien3
- Hypoglykämien bei insulinpflichtigen Menschen mit Diabetes2
- Todesfälle3
Außerdem kann Hitze die Funktionsfähigkeit von medizinischen Geräten zum Diabetesmanagement und die Wirkung von Antidiabetika – insbesondere die Stabilität von Insulin – beeinträchtigen.4
Welche Komorbiditäten und Medikamente können Hitzerisiken bei Diabetes verstärken?
Wenn Menschen mit Diabetes von weiteren Erkrankungen betroffen sind, kann Hitze weitere gesundheitliche Implikationen haben.5
| Begleiterkrankung oder Medikation5 | Hitze-assoziierte Komplikationen5 |
|---|---|
| Kardiovaskuläre Erkrankungen | Kardiovaskuläre Ereignisse, Risiko wird durch chronische Nierenerkrankungen verstärkt |
| Hypertonus und Behandlung mit Antihypertensiva (insbesondere Diuretika) | Dehydratation, Hypovolämie |
| Behandlung mit Betablocker | Verminderte Wärmeableitung, kann zu höherem Herzinfarktrisiko führen |
| Depression und Behandlung mit Antidepressiva oder Anticholinergika | Beeinträchtigte Thermoregulation, wodurch sich das Risiko für Hitze-assoziierte Morbidität erhöht |
Hitzewellen: Welche Empfehlungen gelten für Menschen mit Diabetes?
Vor dem Hintergrund der beschriebenen Hitze-assoziierten Risiken ist es wichtig, dass Menschen mit Diabetes geschult werden, um sich auf hohe Temperaturen einstellen zu können. Diese Empfehlungen, zum Beispiel der deutschen Helmholtz-Gesellschaft, können dazu beitragen, diese Risiken zu reduzieren:5,8,9
- Medikation anpassen: Hitze beeinflusst die glykämische Situation. Daher können Dosisanpassungen bei Antidiabetika und auch bei Antihypertensiva (zum Beispiel Diuretika) erforderlich sein.
- Regelmäßige Blutzuckermessungen: Bei hohen Temperaturen sollten Menschen mit Diabetes ihren Blutzuckerspiegel mindestens zweimal täglich messen.
- Ausreichend trinken – insbesondere ältere Menschen mit Diabetes: Die empfohlene Mindestmenge pro Tag liegt bei 1,5 Litern Wasser oder kalorienarmen Getränken. Zucker-, koffein- und alkoholhaltige Getränke sind zu vermeiden.
- Körperliche Anstrengung bei Hitze und Sonnenbrände vermeiden.
- Auf das Barfußlaufen verzichten (Verletzungsrisiko)
- Kühle Insulinlagerung: Insulin verliert ab 30 Grad Celsius seine Wirksamkeit
- Medizinische Geräte für Diabetesmanagement richtig lagern: Blutzuckermessgeräte, Teststreifen, Insulinpumpen sollten bei Raumtemperatur aufbewahrt und vor direkter Sonneinstrahlung geschützt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ja, Menschen mit Diabetes haben bei Hitze ein erhöhtes Risiko für diabetesassoziierte Hospitalisierungen, für Hypo- und Hyperglykämien sowie für kardiovaskuläre Ereignisse und Tod. Denn bei Menschen mit Diabetes ist die Temperaturregulierung beeinträchtigt. Außerdem verändern sich bei hohen Temperaturen der Insulin- und Glukosestoffwechsel.1-3,5
Dehydration und erhöhter Blutfluss zur Haut beeinträchtigen das Insulinsignal und die Glukoseverwertung, hauptsächlich durch Hemmung der zellulären Insulinwirkung und verringerten Blutfluss zu insulinempfindlichen Geweben. Hitze beeinflusst so Stoffwechselwege, die an der Entwicklung von Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes beteiligt sind. Dies kann bei gestörter Glukosetoleranz Diabetes auslösen oder akute Stoffwechselentgleisungen verursachen.5 Das bestätigen Daten zur erhöhten Typ-2-Diabetes-Inzidenz bei steigenden Temperaturen.6
Menschen mit Diabetes haben eine verminderte Vasodilatation und eine veränderte Transpiration. Das heißt, bei Typ-1-Diabetes kann die Schweißproduktion des Oberkörpers verstärkt sein, während die unteren Extremitäten weniger transpirieren. Menschen mit Typ-2-Diabetes schwitzen weniger. Damit ist ihre Temperaturregulierung beeinträchtigt, was zu Schwankungen der glykämischen Situation führen kann.5
Die Hitze-bedingten Risiken für Menschen mit Diabetes können sich bei bestimmten weiteren Risikofaktoren verstärken. Dazu gehört ein höheres Lebensalter, eine lange Dauer der Diabetes-Erkrankung, eine unzureichende glykämische Kontrolle und bestehende periphere Neuropathien sowie Komorbiditäten.5
Neben den allgemeinen Hinweisen zum Umgang mit Hitze gelten für Menschen mit Diabetes unter anderem die folgenden weiteren Empfehlungen:5,8,9
- Dosierung der Medikation prüfen und möglicherweise anpassen
- Regelmäßige Blutzuckermessung, mindestens 2-mal täglich
- Ausreichend trinken - mindestens 1,5 Liter Wasser oder kalorienarme Getränke täglich
- Sonnenbrände vermeiden
- Auf das Barfußlaufen verzichten
- Insulin und medizinische Geräte zum Diabetesmanagement richtig temperiert lagern.
Referenzen
- Gao D, et al. Association between extreme ambient heat exposure and diabetes-related hospital admissions and emergency department visits: A systematic review. Hyg Environ Health Adv. 2022;4:100031. doi: 10.1016/j.heha.2022.100031.
- Visaria A, et al. Ambient Heat and Risk of Serious Hypoglycemia in Older Adults With Diabetes Using Insulin in the U.S. and Taiwan: A Cross-National Case-Crossover Study. Diabetes Care. 2024;47(2):233-238. doi: 10.2337/dc23-1189
- Miyamura K, et al. Association between heat exposure and hospitalization for diabetic ketoacidosis, hyperosmolar hyperglycemic state, and hypoglycemia in Japan. Environ Int. 2022;167:107410. doi: 10.1016/j.envint.2022.107410
- Heinemann L, et al. Metabolic Activity of Insulin and Temperature Exposure in the Real World: Challenges for People Living With Diabetes. J Diabetes Sci Technol. Published online February 14, 2026. doi:10.1177/19322968261423208
- Ratter-Rieck JM, et al. Diabetes and climate change: current evidence and implications for people with diabetes, clinicians and policy stakeholders. Diabetologia. 2023;66(6):1003-1015. doi: 10.1007/s00125-023-05901-y
- Blauw LL, et al. Diabetes incidence and glucose intolerance prevalence increase with higher outdoor temperature. BMJ Open Diabetes Res Care. 2017;5(1):e000317. doi: 10.1136/bmjdrc-2016-000317
- Deutscher Wetterdienst. Hitzewelle trifft Deutschland im Juni 2026. Stand: 13.07.2026, unter: https://www.dwd.de/DE/Home/_functions/aktuelles/2026/20260713_hitzewelle-deutschland-juni-2026.html (abgerufen: 23.07.2026)
- Helmholtz Zentrum München. Heat and diabetes. diabinfo – Das Diabetesinformationsportal. Stand: 08.08.2022, unter: https://www.diabinfo.de/en/living-with-diabetes/diabetes-in-everyday-life/heat.html (abgerufen: 23.07.2026)
- Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Managing Diabetes in the Heat. Stand: 15.05.2024, unter: https://www.cdc.gov/diabetes/articles/managing-diabetes-in-the-heat.html (abgerufen: 23.07.2026)
- Umweltbundesamt. Indikator: Heiße Tage. Stand: 24.11.2025, unter: https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltindikatoren/indikator-heisse-tage#welche-bedeutung-hat-der-indikator (abgerufen: 23.07.2026)
MAT-DE-2603151-1.0-07/2026