- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 19.06.2026
FAQ zum Multiplen Myelom

Fragen zur Erstlinien- und Zweitlinientherapie
In der klinischen Praxis stellen sich je nach Behandlungslinie unterschiedliche Fragen zur Therapieplanung beim Multiplen Myelom. Die folgenden FAQs greifen linienspezifische Fragestellungen aus HCP-Sicht auf und orientieren sich an den bestehenden Inhalten zu Erstlinientherapie, Zweitlinientherapie und Therapieoptionen.1,2
Fragen zur Erstlinientherapie
Eine Erstlinientherapie ist indiziert, wenn ein behandlungsbedürftiges Multiples Myelom nach den Kriterien der International Myeloma Working Group vorliegt.1,3 Grundlage sind myelomdefinierende Ereignisse einschließlich der SLiM-CRAB-Kriterien.1,3
Die Therapieentscheidung in der Erstlinie richtet sich vor allem nach Behandlungsindikation, Komorbidität, funktioneller Reserve, Organfunktion und der Frage, ob eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation infrage kommt.1,2 Die Eignung soll sich dabei nicht allein am kalendarischen Alter orientieren.1,2
Die Einordnung in transplantationsgeeignet oder nicht transplantiert ist ein zentrales Ordnungsprinzip der Erstlinientherapie.1,2 Bei transplantationsgeeigneten Myelom-Patient*innen gehören Induktion, Stammzellmobilisation und autologe Stammzelltransplantation zu den wesentlichen Bausteinen des Therapiekonzepts; für nicht transplantierte Patient*innen stehen ebenfalls geeignete Erstlinienkonzepte zur Verfügung.1,2
Als transplantationsgeeignet gelten Patient*innen, bei denen eine Hochdosistherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation unter Berücksichtigung von Komorbidität, Organfunktion und funktioneller Reserve infrage kommt.1,2 Die Eignung soll sich dabei nicht allein am kalendarischen Alter orientieren.1,2
Für transplantationsgeeignete Patient*innen ist die autologe Stammzelltransplantation weiterhin ein zentraler Baustein der Erstlinientherapie.1,2 In der Regel gehen ihr eine Induktionstherapie und die Stammzellmobilisation voraus; abhängig vom Gesamtkonzept können sich weitere Behandlungsphasen anschließen.1,2
Auch für Patient*innen, die nicht transplantiert werden, stehen geeignete Erstlinienkonzepte zur Verfügung.1,2 Die Therapieauswahl orientiert sich dabei an klinischer Situation, Organfunktion, Belastbarkeit, Therapieziel und Verträglichkeit.1,2
Bei Patient*innen, die nicht transplantiert werden, haben Frailty, Komorbiditäten und Organfunktion eine besondere Bedeutung für die Therapieplanung.1,2 Diese Faktoren beeinflussen unter anderem die Intensität des gewählten Regimes und die supportive Begleitung.1,2
Die grundsätzlichen Therapieziele sind in beiden Gruppen vergleichbar und umfassen eine möglichst effektive Krankheitskontrolle, die Vermeidung organschädigender Manifestationen und ein tiefes Ansprechen.1,2 Die konkrete Ausgestaltung des Therapiekonzepts unterscheidet sich jedoch je nach Transplantationseignung und individueller Belastbarkeit.1,2
Die Erstlinientherapie basiert heute in der Regel auf Kombinationen mehrerer Wirkstoffklassen, um eine möglichst rasche und tiefe Krankheitskontrolle zu erreichen.1,2 Bei transplantationsfähigen Patient*innen bilden Drei- oder Vierfachkombinationen die Grundlage der Induktionstherapie.1,2
Nach autologer Stammzelltransplantation können Konsolidierung und Erhaltung Teil des Gesamtkonzepts sein.1,2 Für immunmodulatorenbasierte Erhaltungskonzepte empfehlen die Leitlinien einen Beginn nach hämatologischer Rekonstitution und eine Fortführung über mindestens zwei Jahre beziehungsweise bis zum Progress.1,2
Supportive Maßnahmen sind integraler Bestandteil der Erstlinie.1,2 Dazu gehören insbesondere Osteoprotektion, antiinfektiöse Prophylaxe entsprechend Risikoprofil und Regime sowie die Prüfung einer Thromboembolieprophylaxe, insbesondere bei IMiD-haltigen Konzepten.1,2
Fragen zur Zweitlinientherapie
Eine Zweitlinientherapie wird erforderlich, wenn nach vorausgegangener Behandlung ein Rezidiv auftritt oder die Erkrankung refraktär wird und damit eine neue Therapieentscheidung notwendig ist.1,2 Im Rezidiv ist dabei weniger die Liniennummer als vielmehr die Art der Vortherapie und der bisherige Krankheitsverlauf entscheidend.1
Für die Therapieentscheidung in der Zweitlinie sind insbesondere Dauer und Qualität des bisherigen Ansprechens, Art der Vortherapie, Verträglichkeit, Organfunktion, Komorbidität und Refraktärität gegenüber bestimmten Substanzklassen relevant.1,2 Leitlinien betonen ausdrücklich die Bedeutung der zuvor eingesetzten Substanzklasse und des bisherigen Verlaufs.1,2
Bei frühem Rezidiv oder Progress unter laufender Therapie wird in der Regel ein Wechsel auf andere Wirkstoffklassen empfohlen.1,2 Ziel ist es, die bisherige Resistenzsituation zu berücksichtigen und die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Ansprechens zu verbessern.1,2
Für die Sequenzierung in der Zweitlinie ist entscheidend, ob lediglich eine frühere Exposition oder bereits eine echte Refraktärität gegenüber einer Substanzklasse vorliegt.1,2 Das gilt insbesondere für Immunmodulatoren und Anti-CD38-Antikörper; beide Situationen sind nicht gleichzusetzen.1,2
Je nach Vorbehandlung stehen in der Zweitlinie unterschiedliche Behandlungskonzepte zur Verfügung, darunter Kombinationen auf Basis etablierter Wirkstoffklassen sowie in geeigneten Situationen T-Zell-basierte Verfahren wie CAR-T-Zelltherapien oder bispezifische Antikörper.1,2 In ausgewählten Fällen kann zudem eine autologe Re-Transplantation erwogen werden.1,2
Klinische Studien haben in der Zweitlinie eine hohe Relevanz, insbesondere bei komplexen Rezidivsituationen und mehrfach vorbehandelten Patient*innen.1,2 Leitlinien empfehlen, Patient*innen im Rezidiv, wenn möglich, im Rahmen klinischer Studien zu behandeln.1,2
Hinweise für die ärztliche Kommunikation
Auch bei linienspezifischen Therapiefragen bleibt die strukturierte Aufklärung wesentlich.2 Die S3-Leitlinie betont, dass Diagnose, Therapieziele, Therapieoptionen, mögliche Nebenwirkungen und Auswirkungen auf Alltag und Lebensqualität verständlich, individuell angepasst und wiederholt vermittelt werden sollten.2 Ebenso relevant sind partizipative Entscheidungsfindung und die Berücksichtigung von Erwartungen, Ängsten und Lebensumständen.2

Eine Übersicht über weitere Aspekte zum Multiplen Myelom liefert der Artikel „Multiples Myelom –
Grundlagen, Definition und Überblick“.
Abkürzungen:
ASZT = autologe Stammzelltransplantation; CAR-T = Chimäre Antigenrezeptor-T-Zelltherapie; CD38 = Cluster of Differentiation 38;
IMiD = immunmodulatorische Substanz; IMWG = International Myeloma Working Group; SLiM-CRAB = diagnostische Myelom-Kriterien.
Referenzen
- Onkopedia-Leitlinie: Multiples Myelom. Stand 10/2024. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html. Zugriff am 19.05.2026.
- Leitlinienprogramm Onkologie. S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge für Patient*innen mit monoklonaler Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS) oder Multiplem Myelom, Version 1.01. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Multiples_Myelom/LL_Multiples_Myelom_Langversion_1.01.pdf. Zugriff am 19.05.2026.
- Rajkumar SV, et al. Lancet Oncol. 2014;15:e538–e548.
MAT-DE-2602350 – V1.0 – 06/2026