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Diese Website richtet sich an medizinische Fachkreise in Deutschland.

Was ist Insulin?

Das Hormon Insulin wird in den β-Zellen des Pankreas (Langerhans-Inseln) synthetisiert und sezerniert. Es reguliert den Glukosestoffwechsel des menschlichen Körpers. So wird Insulin kontinuierlich basal und verstärkt postprandial (nach einer Mahlzeit) ausgeschüttet und bindet an Insulinrezeptoren auf Körperzellen. Damit fördert es die Glukoseaufnahme in das Muskel- und Fettgewebe, steigert die Glykogensynthese und inhibiert die Glukoseproduktion in der Leber. In der Folge sinkt der Blutzuckerspiegel. Sinkt die Blutglukosekonzentration, wird in den α-Zellen des Pankreas vermehrt Glukagon freigesetzt. Glukagon fördert in der Leber die Glykogenolyse und Glukoneogenese und trägt dadurch zur Stabilisierung des Blutglukosespiegels bei. Durch das Zusammenspiel von Insulin und Glukagon wird die Glukoseproduktion, -metabolisierung und -speicherung präzise reguliert. Damit sind beide Hormone entscheidend, um die Euglykämie (normalen und gesunden Blutzuckerspiegel) aufrechtzuerhalten (glykämische Kontrolle).1

Insulin übernimmt neben der Regulierung des Blutzuckerspiegels weitere physiologische Funktionen:1

  • Im Lipidstoffwechsel: Förderung der Fettspeicherung und Hemmung des Fettabbaus
  • Im Proteinstoffwechsel: Steigerung der Aminosäureaufnahme und Proteinsynthese

Die Aktivität von Insulin und die Insulinsensitivität der Zellen wird von einer Vielzahl physiologischer und externer Faktoren beeinflusst, zum Beispiel:1

  • Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol
  • Schlafmuster
  • Schwangerschaft
  • Erkrankungen

Insulin wird in der Regel als subkutane Injektion zur Behandlung des Typ-1-Diabetes und bei bestimmten Patient*innen mit Typ-2-Diabetes eingesetzt.3,4,5

Was ist der Unterschied zwischen Humaninsulin und Insulinanaloga?

Heute stehen verschiedene Insulinarten zur Verfügung.3-5 Diese verfügbaren Insuline unterteilen sich zunächst in 2 Gruppen nach ihrer chemischen Struktur: Humaninsuline und Insulinanaloga.3,4

InsulingruppeBeschreibungInsulintypen
Humaninsuline
  • Chemisch identisch mit dem menschlichen Insulin
  • Herstellung in gentechnisch veränderten Mikroorganismen   
     
  • Normalinsulin: schnell wirksam
  • Verzögerungsinsuline / NPH-Insuline (Neutrales Protamin Hagedorn): verzögerter Wirkeintritt   
     
Insulinanaloga
  • gentechnisch modifizierte Insulinmoleküle: Austausch, Zusatz und/oder die Veränderung einzelner Aminosäuren
  • veränderten Pharmakokinetik (Wirkeintritt und -dauer)
  • kurzwirkende Insulinanaloga
  • langwirksame Insulinanaloga

Wie unterscheiden sich die Insulintypen Basalinsulin, Bolusinsulin und Mischinsulin?

Beide Insulingruppen – Humaninsulin und Insulinanaloga – differenzieren sich weiter nach ihrem Wirkeintritt und ihrer Wirkdauer in 3 Insulintypen, die für unterschiedliche Zielsetzungen verwendet werden: 3,4

  • Basalinsuline haben einen langsamen Wirkeintritt und eine lange Wirkdauer. Sie decken den Insulingrundbedarf des Körpers. 
  • Bolusinsuline (Mahlzeiteninsuline) wirken schneller, dafür aber kürzer als Basalinsuline. Sie werden zu den Mahlzeiten gegeben oder um hohe Glukosewerte zu korrigieren.
  • Daneben werden sogenannte Mischinsuline eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine fixe Mischung einer kurz-/schnellwirksamen Komponente mit einer verzögert wirkenden Komponente, z.B. ein kurzwirksames Humaninsulin mit NPH.3,4
InsulintypWirkeintritt*Wirkdauer*
Basalinsuline 
  • nach 60 bis 120 Minuten
  • Humaninsuline (NPH-Insulin): 14 Stunden
  • Insulinanaloga: 19 bis über 42 Stunden
Bolusinsuline (Mahlzeiteninsuline)
  • Humaninsuline: nach 30 bis 60 Minuten
  • Insulinanaloga: nach 10 bis 20 Minuten
  • Humaninsuline (Normalinsulin): 8 Stunden
  • Insulinanaloga: 4 bis 5 Stunden
Mischinsuline

Abhängig vom kurzwirksamen Insulin:

  • Humaninsuline: nach 30 bis 60 Minuten
  • Insulinanaloga: nach 10 bis 20 Minuten

Unter anderem abhängig vom Mischungsverhältnis:

  • 10 bis 14 Stunden

* orientierende Klassenangabe

Welches Insulin wird bei welchem Diabetestyp eingesetzt?

Die beschriebenen Insulintypen werden unterschiedlich bei Menschen mit Typ-1- beziehungsweise Typ-2-Diabetes eingesetzt:3-5

  • Typ-1-Diabetes: Nach der aktuellen deutschen S3-Leitlinie ist der Therapiestandard bei Typ-1-Diabetes die intensivierte Insulintherapie (Basis-Bolus-Therapie). Das heißt, die Patient*innen verabreichen sich 1- bis 2-mal täglich ein Basalinsulin und zusätzlich vor jeder Mahlzeit ein Bolusinsulin.3,4
  • Typ-2-Diabetes: Die deutsche Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) empfiehlt eine Insulintherapie bei Menschen mit Typ-2-Diabetes nur bei bestimmten Indikationen – ergänzend zur nicht-medikamentösen Basistherapie. Je nach bisheriger medikamentöser Therapie kann zunächst ein Basalinsulin ergänzt werden, z.B. im Rahmen einer BOT (basalunterstützte orale Therapie) bei bestehender oraler Therapie. Im weiteren Verlauf kann die Therapie eskaliert werden, zum Beispiel mit einer Kombination aus einem Basalinsulin und einem kurzwirksamen Insulin – gegebenenfalls als Mischinsulin (konventionelle Insulintherapie, CT).3,5

Wann sollte bei Menschen mit Typ-2-Diabetes die Indikation zur Insulintherapie geprüft werden?

Die deutsche NVL zur Therapie des Typ-2-Diabetes nennt die folgenden Situationen, in denen eine Indikation zur Insulintherapie geprüft werden sollte:5

  • Nicht-Erreichen des individuellen Therapieziels trotz Ausschöpfung nicht-medikamentöser Maßnahmen und anderen medikamentösen Therapien
  • Metabolische Entgleisungen, zum Beispiel bei der Erstdiagnose 
  • Andere Situationen (eventuell temporäre Insulintherapie): Gabe von diabetogenen (Diabetes mellitus auslösenden) Medikamenten wie Glukokortikoide, schwere Infekte, Traumata oder größere Operationen 
  • Stark eingeschränkte Nierenfunktion (in Abhängigkeit vom individuellen Therapieziel)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Quellen

  1. Merheb E, Rahimi N. Biochemistry, Insulin Metabolic Effects. Stand: 13.05.2026. In: StatPearls. unter: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK525983/ (abgerufen: 10.08.2026)
  2. Hirsch IB, et al. The Evolution of Insulin and How it Informs Therapy and Treatment Choices. Endocr Rev. 2020;41(5):733–55. doi: 10.1210/endrev/bnaa015.
  3. Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). S3-Leitlinie: Therapie des Typ-1-Diabetes. Version 5.1. AWMF-Registernummer: 057-013, unter: https://register.awmf.org/assets/guidelines/057-013l_S3-Therapie-Typ-1-Diabetes_2023-09_1.pdf (abgerufen: 10.08.2026)
  4. Helmholtz Zentrum München. Insulintherapie bei Diabetes mellitus. diabinfo – Das Diabetesinformationsportal. Stand: 28.09.2023, unter: https://www.diabinfo.de/fachkreise/behandlung/insuline-auf-einen-blick.html (abgerufen: 10.08.2026) 
  5. Bundesärztekammer (BÄK), Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes – Langfassung. Version 3.0. 2023. doi: 10.6101/AZQ/000503, unter: www.leitlinien.de/diabetes (abgerufen: 10.08.2026) 
     

MAT-DE-2603425-1.0-09/2026