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Untersuchung einer Blutprobe im Labor zur Bestimmung von Myelom-Parametern

Einteilung nach ISS, R-ISS und R2-ISS im Überblick

Als Teil der Risikostratifizierung beim Multiplen Myelom ist die Stadieneinteilung ein wichtiges Instrument zur prognostischen Einschätzung und Therapieplanung. Etablierte Staging-Systeme der IMWG basieren unter anderem auf klinischen Parametern und zytogenetischen Risikofaktoren und wurden im Laufe der Zeit weiterentwickelt. In der klinischen Praxis sind insbesondere das International Staging System (ISS), das Revised ISS (R-ISS) sowie das nochmals weiterentwickelte R2-ISS relevant.1–3

International Staging System (ISS)

Das International Staging System (ISS) stellt die Grundlage der modernen Stadieneinteilung dar und basiert auf zwei einfach bestimmbaren Laborparametern:1,2

  • β2-Mikroglobulin (β2M)
  • Serumalbumin

ISS-Stadien im Überblick1,2

Stadium IStadium IIStadium III
  •  β2-Mikroglobulin < 3,5 mg/l
  • Albumin ≥ 3,5 g/dl
  •  Weder Stadium I noch III
  •  β2-Mikroglobulin ≥ 5,5 mg/l

Eine hohe Serumkonzentration von β2-Mikroglobulin spiegelt eine hohe Tumorlast und eine eingeschränkte Nierenfunktion wider. Niedrige Serumalbuminwerte beim Multiplen Myelom sind überwiegend auf eine inflammatorische Aktivität der Myelom-Mikroumgebung zurückzuführen.2 Das ISS erlaubt eine erste Einschätzung der Tumorlast und Prognose, berücksichtigt jedoch keine genetischen Risikofaktoren oder die Tumorbiologie.1,2,4

Revised International Staging System (R-ISS)

Das Revised ISS (R-ISS) erweitert das ursprüngliche System um zusätzliche prognostisch relevante Parameter und wird heute routinemäßig in der klinischen Praxis eingesetzt. Neben den ISS-Kriterien fließen folgende Faktoren ein:1,2

  •  Laktatdehydrogenase (LDH)
  • Zytogenetische Hochrisiko-Aberrationen: del(17p), t(4;14), t(14;16)

R-ISS-Stadien im Überblick1,2

Stadium IStadium IIStadium III
  •  ISS Stadium I
  • Kein Hochrisiko-Zytogenetik
  • LDH < oberer Normwert
  •  Weder Stadium I noch III
  •  ISS Stadium III
  • Und entweder Hochrisiko-Zytogenetik oder LDH > oberer Normwert

R2-ISS – Weiterentwicklung der Risikostratifizierung

Das R2-ISS stellt eine Weiterentwicklung des R-ISS dar und integriert zusätzliche zytogenetische Risikofaktoren, um die prognostische Aussagekraft weiter zu verbessern. Ziel ist eine präzisere Differenzierung insbesondere innerhalb der intermediären Risikogruppe.2,3

Berücksichtigt werden unter anderem:3

  • Erweiterte Hochrisiko-Zytogenetik: 1q+
  • Gewichtung einzelner Risikofaktoren

Im Gegensatz zu den vorherigen Modellen basiert das R2-ISS auf einem Punktesystem, bei dem verschiedene Risikofaktoren unterschiedlich gewichtet werden. Dadurch ergibt sich eine feinere Einteilung in vier Risikogruppen, die das progressionsfreie Überleben (PFS) und Gesamtüberleben (OS) präziser vorhersagen können.2,3

Das Punktesystems ist in folgender Tabelle zusammengefasst:

RisikofaktorenMerkmaleR2-ISS Punkte
ISS Iβ2M < 3,5 mg/l und Albumin ≥ 3,5 g/dl0,0
ISS IIweder ISS I noch III1,0
ISS III≥ 5,5 mg/l1,5
LDH< oberer Normwert0,0
> oberer Normwert1,0
Zytogenetikdel(17p)1,0
t(4,14)1,0
1q21+0,5
t(14;16)0,0

Mod. nach Palumbo A, et al. (2015)2 und D’Agostino M, et al. (2022)3.

Daraus resultierend unterscheidet das R2-ISS die vier folgenden Risikogruppen:

WertR2-ISS StatusRisikostratifizierung
0,0Iniedrig
0,5 - 1,5IIniedrig-intermediär
1,5 - 2,5IIIhoch-intermediär
3,0 - 5,0IVhoch

 Mod. nach D’Agostino M, et al. (2022)3.

Zwei Männer mit Multiplem Myelom mit unterschiedlichen Therapiebedürfnissen

Weitere Informationen zur Risikostratifizierung beim Multiplen Myelom 
finden Sie hier!

Klinische Bedeutung der Stadieneinteilung

Die verschiedenen Staging-Systeme liefern wichtige Informationen zur Prognose und unterstützen die Therapieentscheidung. Während das ISS eine grundlegende Einschätzung ermöglicht, erlaubt das R-ISS eine Integration biologischer Risikofaktoren.1,2 Das R2-ISS bietet darüber hinaus eine noch differenziertere Risikostratifizierung.3

In der klinischen Praxis werden diese Systeme häufig in Kombination mit weiteren Faktoren wie Alter, Komorbiditäten und Ansprechen auf die Therapie interpretiert.1–5

Das Multiple Myelom ist eine seltene Krebserkrankung, die vor allem ältere Männer betrifft

Eine Übersicht über weitere Aspekte zum Multiplen Myelom liefert der Artikel „Multiples Myelom – 
Grundlagen, Definition und Überblick“.

Abkürzungen:
β2M = β2-Mikroglobulin; IMWG = International Myeloma Working Group; ISS = International Staging System; LDH = Laktatdehydrogenase; 
OS = Gesamtüberleben; PFS = Progressionsfreies Überleben; R-ISS = Revised International Staging System; R2-ISS = Second Revision of the International Staging System.

MAT-DE-2601985 – V1.0 – 05/2026