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- Quelle: Campus Sanofi
- 12.02.2026
Morbus Fabry - Definition

Morbus Fabry - medizinische Definition und Überblick
Morbus Fabry Definition: Morbus Fabry ist eine seltene Stoffwechselstörung aus der Gruppe der lysosomalen Speichererkrankungen, die auf einem genetisch bedingten Mangel eines Enzyms beruht und z. B. mittels Substitution dieses Enzyms therapierbar ist (Enzymersatztherapie).1
Die Fabry-Erkrankung tritt mit einer Häufigkeit von ca. 1:20.000 bei Frauen und 1:40.000 bei Männern auf. Doch sind zu einer genauen Epidemiologie noch weitere Untersuchungen nötig, denn es wird eine hohe Dunkelziffer vermutet.1,2 Trotz des X-chromosomalen Erbgangs sind Frauen nicht nur Trägerinnen der Erkrankung. Sie können auch selbst an Morbus Fabry erkranken, wenn auch in der Regel weniger schwer.1 Weitere Bezeichnungen für Morbus Fabry (ICD-10: E75.2) sind Anderson-Fabry-Syndrom oder Fabry-Syndrom. Im Jahr 1898 beschrieben erstmals der Deutsche Johannes Fabry und der Engländer William Anderson unabhängig voneinander einen Patienten mit Angiokeratomen, die durch eine bis dahin unbekannte Krankheit hervorgerufen wurden.
Ursache Morbus Fabry: Enzymaktivitätsmangel
Verursacht wird die Speicherkrankheit durch einen genetisch bedingten Mangel des lysosomalen Enzyms alpha-Galaktosidase A (αGalA). Lysosomale Enzyme sorgen für den Abbau von Stoffwechselprodukten im Lysosom. Die alpha-Galaktosidase A ist für den Abbau von speziellen Sphingolipiden, den Glykosphingolipiden, verantwortlich.
Bei Patient*innen mit Morbus Fabry akkumulieren die Glykosphingolipide, insbesondere das Globotriaosylceramid (Lyso-GL-3), zunehmend im vaskulären Endothel, in der Niere, im Herzen, im peripheren Nervensystem und anderen Geweben. Mit dem Fortschreiten der Krankheit Morbus Fabry geht eine deutlich verkürzte Lebenserwartung einher.1 Bei Männern liegt sie im Durchschnitt zwischen 41 und 50 Jahren, bei Frauen zwischen 50 und 70 Jahren.3,4
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Unterschiedliche Krankheitsverläufe
Eine Prognose für den Krankheitsverlauf bei Morbus Fabry ist schwer zu geben. Zahlreiche Mutationen des Gens für αGalA sorgen dafür, dass das Enzym vollständig fehlt oder aber vermindert aktiv ist. Hierdurch kann die Erkrankung Morbus Fabry unterschiedlich stark ausgeprägt sein.1,5 Bei Frauen, die zwei X-Geschlechtschromosomen haben, wird zufallsmäßig während der Embryonalentwicklung ein X-Chromosom ganz oder weitgehend stillgelegt. Je nachdem, welches Gewebe von einem defekten αGalA-Gen betroffen ist, verläuft die Erkrankung unterschiedlich schwer.
Symptome von Morbus Fabry
Die Symptome bei Morbus Fabry sind sehr individuell, vielschichtig und unspezifisch. So können viele unterschiedliche Organe betroffen sein: Nieren, Herz, peripheres Nervensystem, Haut, Augen, Gehör oder auch der Magen-Darm-Trakt.1
Charakteristisch für diese Multisystem-Erkrankung sind schwere neuropathische Schmerzen, die bereits im Kindesalter beginnen, eine zunehmende Niereninsuffizienz, eine Herzbeteiligung (bspw. eine links-ventrikuläre Hypertrophie oder Herzrhythmusstörungen) und zerebrovaskuläre Symptome wie Schlaganfälle.6
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Diagnose von Morbus Fabry
Bei Fabry-Patient*innen vergehen aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der vielfältigen Symptome durchschnittlich noch immer bis zu 20 Jahre bis zur korrekten Diagnosestellung. Diese lange Zeitspanne führt dazu, dass Betroffene meist zahlreiche Fachärzt*innen konsultieren müssen. Nicht selten haben diese zunächst Fehldiagnosen gestellt, weil sie die Symptome irrtümlicherweise anderen, häufigeren Krankheiten zugeordnet haben. Die Herausforderung für den/die Ärzt*in besteht also darin, überhaupt an die Diagnose Morbus Fabry zu denken.1, 7
Die sichere Diagnosestellung von Morbus Fabry erfolgt über den Nachweis einer verminderten Enzymaktivität im Blut. Dies kann mittels eines Trockenbluttests erfolgen. Vor allem bei Frauen ist auch eine molekulargenetische Diagnostik notwendig, die mit derselben Trockenblutkarte erfolgen kann.1, 7
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Therapie bei Morbus Fabry
Mit der Enzymersatztherapie steht seit 2011 eine Therapie zur Verfügung, um Patient*innen mit Morbus Fabry kausal behandeln zu können. In Europa sind derzeit drei Medikamente verfügbar, die auf der Aminosäuresequenz der natürlichen alpha-Galaktosidase A basieren: Agalsidase alfa, Agalsidase beta und Pegunigalsidase alfa.
Für einige Patient*innen mit Morbus Fabry, die eine Restaktivität der alpha-Galaktosidase A aufweisen, steht auch eine orale Therapie mit dem pharmazeutischen Chaperon Migalastat zur Verfügung. Diese kann bei etwa 30 % der Patient*innen mit Morbus Fabry eingesetzt werden.
Ein frühzeitiger Therapiebeginn ist bei beiden Behandlungsansätzen entscheidend, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und Organschäden zu minimieren.
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Häufig gestellte Fragen zur Definition von Morbus Fabry
Was ist Morbus Fabry?
Morbus Fabry ist eine seltene Stoffwechselstörung aus der Gruppe der lysosomalen Speichererkrankungen, die auf einem genetisch bedingten Mangel des lysosomalen Enzyms alpha-Galaktosidase A beruht.1 Die Erkrankung tritt mit einer Häufigkeit von ca. 1:20.000 bei Frauen und 1:40.000 bei Männern auf, wobei eine hohe Dunkelziffer vermutet wird.1,2 Morbus Fabry ist unter anderem mittels Substitution des fehlenden Enzyms therapierbar (Enzymersatztherapie). Die Erkrankung wurde erstmals im Jahr 1898 von Johannes Fabry und William Anderson beschrieben.
Wie wirkt sich Morbus Fabry auf den Organismus aus?
Glykosphingolipide, insbesondere das Globotriaosylceramid (Lyso-GL-3), akkumulieren zunehmend im vaskulären Endothel, in der Niere, im Herzen, im peripheren Nervensystem und anderen Geweben aufgrund des Enzymmangels der alpha-Galaktosidase A. Trotz des X-chromosomalen Erbgangs sind Frauen nicht nur Trägerinnen der Erkrankung, sondern können auch selbst an Morbus Fabry erkranken, wenn auch in der Regel weniger schwer. Mit dem Fortschreiten der Krankheit geht unbehandelt eine deutlich verkürzte Lebenserwartung einher.1
- Germain DP Fabry disease, Orphanet Journal of Rare Diseases 2010;5:30; www.ojrd.com/content/5/1/30.
- Desnick RJ et al. α-Galactosidase A deficiency: Fabry disease. In: C. R. Scriver, A. L. Beaudet, W. S. Sly, D. Valle (Hrsg.): The metabolic and molecular basis of inherited disease. 8. Ausgabe, Verlag McGraw-Hill, 2001,S.3733–3774.
- MacDermot KD et al.. Anderson-Fabry disease: clinical manifestations and impact of disease in a cohort of 60 obligate carrier females. J Med Genet. 2001;38:769-775.
- MacDermot KD et al. Anderson-Fabry disease: clinical manifestations and impact of disease in a cohort of 98 hemizygous males. J Med Genet. 2001;38:750-760.
- Migeon BR X inactivation, female mosaicism, and sex differences in renal diseases. In: JASN. Band 19, Nummer 11, November 2008,S.2052–2059.
- Breunig F et al., Nephrologe 2006;1:184–186.
- Mehta A et al. QJM 2010; 103: 641-659.
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