- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 09.02.2026
Morbus Fabry - Diagnostik

Diagnostik bei Morbus Fabry: Vorgehen und Einordnung
Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung und der Heterogenität der Symptome vergehen bei Fabry-Patient*innen durchschnittlich immer noch bis zu 20 Jahre, bis schließlich die korrekte Diagnose gestellt wird. Bis dahin wurden meist zahlreiche Fachärzt*innen konsultiert. Nicht selten haben diese zunächst Fehldiagnosen gestellt, weil sie die Symptome irrtümlicherweise anderen, häufigeren Krankheiten zugeordnet haben. Die Herausforderung für den/die Ärzt*in besteht also darin, überhaupt an die Diagnose Morbus Fabry zu denken.1,2
Bei Männern erfolgt der Nachweis über die Bestimmung der α-Galaktosidase-A-Aktivität mittels Trockenbluttest. Bei Frauen ist zusätzlich eine genetische Analyse erforderlich.1,2 Der Biomarker Lyso-GL-3 dient ergänzend zur Diagnosesicherung und korreliert mit dem Schweregrad der Erkrankung.4
Anamnesegespräch
Expertenvideos zu einem Anamnesegespräch unterstützen Sie bei der Diagnosefindung Morbus Fabry. Nutzen Sie die Erfahrung von Prof. Dr. Fabian Knebel, der in einer Videoreihe anhand eines realen Patientengesprächs zeigt, wie Sie gezielt die typischen Symptome dieser seltenen Erkrankung erfragen und diagnostisch einordnen. Die kompakten Sequenzen vermitteln praxisnahe Fertigkeiten für Ihren diagnostischen Alltag und führen Sie durch die verschiedenen Organsysteme und Manifestationen, die bei Morbus Fabry auftreten können. Von frühen Warnsignalen bis hin zu Symptomkomplexen erhalten Sie Einblicke in die strukturierte Anamneseerhebung.
Teil 1: Symptomatik: Brennschmerzen, Anhidrose, GI-Beschwerden (1:43 min)
Teil 2: Symptomatik: Hörminderung, Angiokeratome, körperliche Leistungsfähigkeit (01:31 min)
Teil 3: Abklärung der Herzsymptomatik (01:47 min)
Bestimmung des Lyso-GL-3-Plasmawertes
Durch die verminderte Aktivität der α-Galaktosidase steigt auch der Spiegel des Globotriaosylsphingosins (Lyso-GL-3), einer deacylierten und dadurch löslicheren Form des eigentlichen Substrats GL-3, im Plasma an. Ein hoher Wert des Laborparameters Lyso-GL-3 kann deshalb die Diagnose Morbus Fabry bestätigen. Besonders bei Frauen mit einer α-Galaktosidase-Aktivität im Bereich des Normwertes kann die Bestimmung des Lyso-GL-3 den Verdacht auf Morbus Fabry erhärten.3
Der Lyso-GL-3–Spiegel im Plasma korreliert darüber hinaus mit dem Schweregrad der Erkrankung. Je höher der Plasmaspiegel, desto wahrscheinlicher sind im Laufe der Erkrankung klinische Symptome. Lyso-GL-3 ist ein unabhängiger Risikofaktor u. a. für die linksventrikuläre Hypertrophie und für Schäden an der weißen Substanz (Substantia alba).4
Durch eine kausale Enzymersatztherapie kann der Lyso-GL-3–Plasmaspiegel signifikant verringert werden. Der Parameter gilt deshalb auch als Biomarker für das Ansprechen auf die Therapie.5
Mehr erfahren zur Therapie bei Morbus Fabry:
Sicherung der Diagnose
Die Diagnose Morbus Fabry lässt sich mittels spezieller Labordiagnostik sichern. Dafür stehen heutzutage einfach anzuwendende Trockenbluttests zur Verfügung. Bei Männern erfolgt die M. Fabry-Diagnostik über die Bestimmung der Enzymaktivität der α-Galaktosidase A. Da diese bei Frauen im Normbereich liegen kann, ist für die Morbus Fabry-Diagnostik bei Frauen zusätzlich eine genetische Analyse nötig. Standardmäßig im Labor gemessene Blutwerte spielen keine Rolle für die Fabry-Diagnostik.1,2
Weitere Informationen zu Morbus Fabry:
Bestimmung der Enzymaktivität
Für die Diagnostik des Morbus Fabry erfolgt die Bestimmung der α-Galaktosidase-A-Aktivität in Leukozyten. Zur Testung auf Morbus Fabry stehen heutzutage einfach in den Praxisalltag zu integrierende Trockenbluttests zur Verfügung. Auf eine Trockenblutkarte wird je Feld ein Tropfen Blut aufgetropft und nach dem Trocknen zur Analyse in ein spezialisiertes Diagnostiklabor eingesandt. Bei Männern ist eine Erkrankung an M. Fabry durch eine erniedrigte Enzymaktivität eindeutig nachgewiesen.1,2 Bei Frauen ist aufgrund ihrer zwei X-Chromosomen eine genetische Analyse notwendig.

Abbildung Trockenbluttest
Quelle: © iStock (NanoStockk)
Genetische Analyse bei Frauen
Für die Diagnostik bei Frauen ist eine genetische Analyse erforderlich, da die Enzymaktivität der α-Galaktosidase A im Normbereich liegen kann, jedoch Lyso-GL-3 erhöht ist. Dieser Gentest kann aus derselben Karte mit Trockenblut erfolgen wie die Enzymdiagnostik.
Teil 4: Diagnosesicherung mittels Trockenbluttestung (00:37 min)
Stammbaumanalyse
Stammbaumanalysen können den Verdacht auf Morbus Fabry erhärten. Haben Angehörige ebenfalls typische Fabry-Symptome kann dies ein Hinweis sein - vor allem bei betroffenen Frauen - ebenfalls an Morbus Fabry erkrankt zu sein. Außerdem helfen Stammbaumanalysen, weitere betroffene Angehörige zu finden. Dies hilft bei einer frühen Diagnosestellung.
Genetische Untersuchungen mit dem Ziel der Abklärung bestehender Symptome dürfen von allen Ärzt*innen durchgeführt bzw. beauftragt werden, da es sich hierbei um eine genetische Untersuchung zur Diagnosesicherung handelt. Hat der/die Ärzt*in aufgrund bestimmter Symptome bei einem/einer Patient*in einen konkreten Verdacht auf eine genetische Erkrankung, so darf sie bzw. er die Untersuchung veranlassen. Die Schwere der Symptome spielt hierbei keine Rolle.
Erfahren Sie mehr über:
Häufig gestellte Fragen zur Diagnostik von Morbus Fabry
Was macht die Diagnosestellung von Morbus Fabry so komplex?
Die Diagnose von Morbus Fabry kann sehr herausfordernd sein, da die Erkrankung eine große Vielfalt an Symptomen aufweist, die oft anderen Krankheiten ähneln. Patient*innen können durchschnittlich bis zu 20 Jahre auf eine korrekte Diagnose warten. Die Symptome sind sehr unspezifisch und können verschiedene Organsysteme betreffen. Dadurch wenden sich Patient*innen oft an verschiedene Fachärzt*innen, ohne dass der Zusammenhang zur seltenen Erkrankung Morbus Fabry erkannt wird.1,2
Wie wird Morbus Fabry diagnostiziert?
Die sichere Diagnosestellung von Morbus Fabry erfolgt durch:
- Enzymaktivitätstest: Ein Trockenbluttest misst die Aktivität der α-Galaktosidase A in den Leukozyten. Bei Männern ist dieser Test sehr zuverlässig, da sie bei Morbus Fabry eine stark reduzierte oder fehlende Enzymaktivität aufweisen.1,2
- Genetischer Test: Dieser Test identifiziert Mutationen im GLA-Gen und ist besonders wichtig für die Diagnose bei Frauen, da diese normale oder nur leicht reduzierte Enzymwerte haben können.
Da Morbus Fabry eine Erbkrankheit ist, sollten auch Familienmitglieder getestet werden.
Warum ist eine Stammbaumanalyse bei Morbus Fabry so wichtig?
Morbus Fabry wird X-chromosomal vererbt und tritt daher familiär gehäuft auf. Betroffene Männer geben die Mutation an alle Töchter, aber an keinen ihrer Söhne weiter, während betroffene Frauen ein 50-prozentiges Risiko haben, die Mutation an jedes Kind weiterzugeben. Eine Stammbaumanalyse ermöglicht die frühzeitige Identifizierung betroffener Familienmitglieder und damit einen rechtzeitigen Therapiebeginn, bevor irreversible Organschäden entstehen.
- Mehta A et al. QJM 2010; 103: 641-659.
- Germain DP Fabry disease, Orphanet Journal of Rare Diseases 2010; 5-30; www.ojrd.com/content/5/1/30.
- Aerts JM et al. Elevated globotriaosylsphingosine is a hallmark of Fabry disease. Proc Natl Acad Sci USA (2008) 105: 2812-2817.
- Smid BE et al. Plasma globotriaosylsphingosine in relation to phenotypes of Fabry disease. Med Genet (2015) 52: 262-268.
- Nowak A et al., Mol Genet Metab 2018;123(2):148-153.
Header-Image: © iStock (andrei_r) MAT-DE-2304018 - v2.0 - 02/2026



