- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 17.09.2026
TTP-Therapie: Plasmaaustausch, Immunsuppression und spezifische Therapie

Die thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) ist eine seltene, akut lebensbedrohliche hämatologische Erkrankung, deren Therapie eine sofortige, strukturierte Intervention erfordert.¹ In der klinischen Praxis zeigt sich, dass die Prognose entscheidend von der Geschwindigkeit der Diagnosestellung und dem unverzüglichen Therapiebeginn abhängt.¹⁻²
Die moderne TTP-Therapie unterscheidet zwei Hauptformen: die erworbene TTP (aTTP) mit drei etablierten Therapiesäulen und die angeborene TTP (cTTP) mit einem separaten Behandlungsansatz. Hinzu kommt die strukturierte Nachsorge zur Rezidivprophylaxe.¹
Warum ist bei TTP schnelles Handeln entscheidend?
Die akute TTP stellt einen medizinischen Notfall dar. Ohne Behandlung liegt die Letalität bei bis zu 90 %, trotz moderner Therapieansätze ereignen sich ca. 50 % der Todesfälle innerhalb von 24 Stunden nach Präsentation.¹⁻³ Die Behandlung sollte daher, bestenfalls innerhalb von 4–8 Stunden nach Diagnosestellung, initiiert werden.¹
Wichtig:
Die ADAMTS13-Blutprobe muss zwingend vor Beginn des Plasmaaustausches oder der Plasmagabe abgenommen werden, da Fremdplasma die Messung verfälscht. Die Blutabnahme darf die Therapieeinleitung jedoch nicht verzögern.¹
Welche drei Therapiesäulen gibt es bei aTTP?
Die TTP-Therapie der erworbenen TTP (aTTP) basiert auf drei komplementären Therapiesäulen, die synergistisch wirken und alle drei pathophysiologischen Mechanismen der aTTP adressieren:¹⁻⁴
- Plasmaaustausch (Plasmapherese) – Entfernung von Autoantikörpern und ultralangen VWF-Multimeren, Zufuhr von ADAMTS13-haltigem Plasma
- Immunsuppression – Reguliert das Immunsystem und die Bildung weiterer Antikörper herunter
- Spezifische Therapie – Hemmung der Thrombozytenbindung an VWF und damit der Mikrothrombenbildung
Säule 1: Plasmaaustausch und TTP Plasmapherese
Der Plasmaaustausch (auch als TTP Plasmapherese bezeichnet) ist die zentrale Akutmaßnahme der TTP-Behandlung und seit den 1990er Jahren eine verfügbare Therapie.¹⁻³
Wirkmechanismus und Ziele:
- Entfernung von Autoantikörpern gegen ADAMTS13
- Entfernung von ultralangen VWF-Multimeren, die zur Mikrothrombenbildung führen
Säule 2: Immunsuppressive TTP-Behandlung
Die immunsuppressive Therapie zielt auf die Unterdrückung der pathologischen Autoimmunreaktion ab.¹⁻⁴
Die Kombination aus Plasmaaustausch und Immunsuppression senkt die Akutletalität von historisch bis zu 90 % auf heute 10–20 %.¹⁻³
Diese Behandlungsform allein hat jedoch keinen unmittelbaren Effekt auf die Thrombozytenaggregation und Mikrothrombenbildung bei aTTP.
Dadurch bleiben Patient*innen weiter dem Risiko von Mikrothromben ausgesetzt. Mögliche Folgen sind Myokardinfarkt, ischämischer Schlaganfall, Nierenversagen und weitere Organschäden.3
Säule 3: Spezifische Therapie
Die spezifische Therapie stellt die dritte Säule der modernen TTP-Behandlung dar und adressiert gezielt die Mikrothrombenbildung.¹⁻⁴
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TTP-Plasmapherese: Ablauf, Ziele und Häufigkeit
Die TTP Plasmapherese ist ein extrakorporales Blutreinigungsverfahren und die zentrale Akutmaßnahme der TTP-Therapie. Der Begriff „Plasmapherese" wird häufig synonym mit „Plasmaaustausch" verwendet, wobei Plasmapherese der Oberbegriff für Verfahren ist, bei denen Plasma aus dem Blut abgetrennt wird.⁵
Unterschied Plasmapherese vs. Plasmaaustausch:
- Plasmapherese = Oberbegriff für alle Verfahren, bei denen Plasma aus dem Blut abgetrennt wird
- Plasmaaustausch (PEX) = spezifische Methode, bei der das eigene Plasma durch Spenderplasma (FFP) ersetzt wird – die bevorzugte Methode in der TTP-Therapie¹
Quelle: Hitzler W. Plasmapherese bei TTP – aktuell. TTP-Patiententag 2018, Unimedizin Mainz.⁵
Therapie der angeborenen TTP (cTTP)
Die angeborene TTP (cTTP), auch als Upshaw-Schulman-Syndrom bezeichnet, unterscheidet sich grundlegend von der erworbenen Form (aTTP) und erfordert einen separaten Therapieansatz.¹
FAQ - Häufige Fragen zur TTP-Therapie
Die ADAMTS13-Aktivität und ADAMTS13-Antikörper können nach Beginn des Plasmaaustausches nicht mehr zuverlässig bestimmt werden, da das zugeführte Spenderplasma (FFP) die Messung verfälscht.¹ Die Blutabnahme vor Therapiebeginn ist daher zwingend erforderlich – sie darf die Therapieeinleitung jedoch nicht verzögern. In der Praxis wird die ADAMTS13-Probe unmittelbar vor dem ersten Plasmaaustausch abgenommen.¹
TTP Plasmapherese ist der Oberbegriff für alle Verfahren, bei denen Plasma aus dem Blut abgetrennt wird. Der Plasmaaustausch (PEX) ist die spezifische Methode, bei der das patienteneigene Plasma durch Spenderplasma (Fresh Frozen Plasma, FFP) ersetzt wird.¹⁻⁵ Der Plasmaaustausch ist die bevorzugte Methode in der TTP-Therapie, da er sowohl Autoantikörper und VWF-Multimere entfernt als auch ADAMTS13-haltiges Plasma zuführt.¹
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- Gesellschaft für Thrombose und Hämostaseforschung (GTH) / AWMF: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP). Version 1.0/2025. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/086-007 (Zugriff am 23.06.2026)
- Scully M et al., Br J Haematol. 2008;142:819–826
- Sayani FA, Abrams CS, Blood. 2015;125(25):3860–3867
- Kremer Hovinga JA et al., Nat Rev Dis Primers. 2017;3:17020
- Hitzler W. Plasmapherese bei TTP – aktuell. TTP-Patiententag 2018, Unimedizin Mainz. Verfügbar unter: https://www.unimedizin-mainz.de/fileadmin/kliniken/M3/Dokumente/Veranstaltungen/Nachlese/TTP_Patiententag_2018__Plasmapherese_aktuell-WHitzler.pdf
- Mahmoud AA et al., Res Pract Thromb Haemost. 2024;9(1):102654
- Sukumar S et al., Blood Adv. 2022;6(4):1264–1270
Header-Foto: ©gettyimages (Sorrasak Jar Tinyo) MAT-DE-2303126–V2.0-08/2026