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Das Multiple Myelom ist eine seltene Krebserkrankung, die vor allem ältere Männer betrifft

Eine komplexe Erkrankung mit zunehmend besserer Prognose

Das Multiple Myelom (MM) ist eine hämatologische Neoplasie, die durch eine monoklonale Proliferation von Plasmazellen im Knochenmark charakterisiert ist. Typische klinische Symptome umfassen Hyperkalzämie, renale Insuffizienz, Anämie und Knochenläsionen. Die Erkrankung gilt als derzeit nicht heilbar und ist durch mehrfache Rezidive im Krankheitsverlauf geprägt. Fortschritte in der Diagnostik sowie die Einführung neuer Therapieansätze haben in den letzten Jahren zu einer Verbesserung der Behandlungsoptionen und Prognose beigetragen.1,2

Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die zentralen Aspekte des Multiplen Myeloms:

Was ist das Multiples Myelom? – Definition, Entstehung und Epidemiologie

Das Multiple Myelom ist eine maligne Tumorerkrankung der Plasmazellen, die durch eine monoklonale Proliferation im Knochenmark aus einem einzigen mutierten B-Lymphozyten hervorgeht. Die mutierte Plasmazelle bildet keine funktionalen Antikörper, sondern defekte oder inkomplette Immunglobuline – die sogenannten Paraproteine (M-Proteine). Durch die unkontrollierte Vermehrung der malignen Plasmazellen kann es zur Verdrängung der normalen Zellen im Knochenmark sowie zur Schädigung der Knochensubstanz kommen, was unter anderem zu Zytopenien und osteolytischen Läsionen führen kann. Charakteristisch ist das Auftreten mehrerer (multipler) Tumorherde im Knochenmark.1–3

Das Multiple Myelom schädigt die Knochen
Abb. 1: Vergleich eines gesunden Knochens und eines Knochens mit Schädigung durch Multiples Myelom

Die Ätiologie ist nicht vollständig geklärt und wird als multifaktoriell angenommen. Vorstufe des Multiplen Myeloms ist die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), deren Inzidenz mit zunehmendem Lebensalter steigt. Als Übergangsform zum Multiplen Myelom wird das schwelende („smouldering“) Multiple Myelom (SMM) bezeichnet.1,2

MGUS und SMM präsentieren sich meist als asymptomatische und initial nicht behandlungsbedürftige Plasmazellerkrankung. Regelmäßige Kontrollen zur frühzeitigen Erkennung einer Progression sind jedoch empfohlen. Der Krankheitsverlauf des Multiplen Myeloms ist typischerweise chronisch und durch mehrfache Rezidive gekennzeichnet.1,2

Der Krankheitsverlauf des Multiplen Myeloms vom aktiven Myelom über die Remission und das 1. und 2. Rezidiv
Abb. 2: Beispielhafter Krankheitsverlauf des Multiplen Myeloms; Abbildung mod. nach Kurtin SE, et al. 2013.4

Epidemiologie des Multiplen Myeloms5

2. häufigste 
hämatologische Neoplasie

Neuerkrankungen:
1,3 % bzw. 1,5 % der neuen Krebsfälle (3220 Frauen und 4130 Männer)a

Medianes Erkrankungsalter:
73 Jahre bei Frauen und 72 Jahre bei Männerna

Symptome und Beschwerden beim Multiplen Myelom

Die klinische Symptomatik des Multiplen Myeloms ist häufig unspezifisch und entwickelt sich meist schleichend, sodass zwischen ersten Beschwerden und Diagnosestellung mehrere Monate vergehen können. Art und Ausprägung der Symptome variieren und sind unter anderem vom Krankheitsstadium und individuellen Risikofaktoren abhängig. Zum Zeitpunkt der Diagnose treten bei Patient*innen häufig folgende Symptome auf:1,2,6

Knochenschmerzen zählen zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Knochenschmerzen
(v. a. im Bereich des Stammskeletts)

Fatigue zählt zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Fatigue 
und 
Leistungsminderung

Eine erhöhte Infektanfälligkeit zählt zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Erhöhte 

Infektanfälligkeit

Renale Insuffizienz zählt zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Renale Insuffizienz 

und schäumender Urin
 

Hyperkalzämie zählt zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Hyperkalzämie

Panzytopenie zählt zu den Symptomen des Multiplen Myeloms

Panzytopenie
(Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie)

Älterer Mann mit Multiplem Myelom und unspezifischen Symptomen

Erfahren Sie hier mehr zu den Symptomen des Multiplen Myeloms.

Diagnose des Multiplen Myeloms

Die Diagnose des Multiplen Myeloms basiert auf einer Kombination aus klinischen Befunden, Laboruntersuchungen, Knochenmarkanalysen sowie bildgebenden Verfahren. Grundlage bilden die von der International Myeloma Working Group (IMWG) definierten Diagnosekriterien.3

Folgende Untersuchungen werden vorgeschlagen:2,7,8

Zur Diagnose des Multiplen Myeloms braucht es die entsprechende Anamnese

1. Anamnese/klinische Befunde


Zur Diagnose des Multiplen Myeloms braucht es entsprechende Laboruntersuchungen

2. Laboruntersuchungen
(u. a. großes Blutbild, Biochemie (Calcium, Kreatinin), Urinuntersuchungen (Proteinurie, 
M-Komponentenspiegel usw.)

Zur Diagnose des Multiplen Myeloms braucht es entsprechende Knochenmarkuntersuchungen

3. Knochenmarkuntersuchungen
(Aspirat- und Stanzbiopsie für Zytogenetik, FISH und Immunphänotypisierung)

Zur Diagnose des Multiplen Myeloms braucht es entsprechende Bildgebungsverfahren

4. Bildgebung
(Röntgenskelettstatus, PET-CT, LDWB-CT oder MRT des gesamten Körpers oder der Wirbelsäule)

Abb. 3: Empfohlene diagnostische Untersuchungen beim Multiplen Myelom gemäß IMWG-Kriterien2,7

Voraussetzung zur Diagnose ist der Nachweis einer klonalen Plasmazellproliferation im Knochenmark (mindestens 10 % klonale Plasmazellen) oder eines Plasmozytoms. Zusätzlich muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:7,8

CRAB-Kriterien

  • C > Calcium: Hyperkalzämie
  • R > Renal: Niereninsuffizienz
  • A > Anemia: Anämie
  • B > Bone lesions: Knochenläsionen

SLIM-Kriterien

  •  S > Sixty: ≥ 60 % klonale Plasmazellen im Knochenmark
  • Li > Light chain: Freie Leichtketten-Ratio ≥ 100
  • M > MRT: > 1 fokale Läsion ≥ 5 mm (MRT)
Bei der Diagnostik des Multiplen Myeloms gibt es einiges zu beachten

Erfahren Sie hier mehr zur Diagnostik beim Multiplen Myelom.

Stadieneinteilung nach ISS und R-ISS

Zur Einschätzung der Prognose und zur Unterstützung therapeutischer Entscheidungen erfolgt beim Multiplen Myelom eine Stadieneinteilung insbesondere durch das Revised International Staging System (R-ISS). Das R-ISS basiert auf den Blutwerten von 
β2-Mikroglobulin, Albumin und Laktatdehydrogenase (LDH) sowie auf definierten Chromosomenanomalien. Folgende Übersicht zeigt die Stadieneinteilung beim R-ISS:9,10

 

Stadium IStadium IIStadium III
  • Serum ß2-Mikroglobulin < 3,5 mg/l
  • Serumalbumin ≥ 3,5 g/dl
  • Standardrisiko-Chromosomenanomalien durch FISH
  • Normaler LDH-Spiegel
  •  Weder R-ISS Stadium I noch III
  • Serum ß2-Mikroglobulin ≥ 5,5 mg/l
  • Hochrisiko-Chromosomenanomalien durch FISH ODER hohen LDH-Spiegel
Untersuchung einer Blutprobe im Labor zur Bestimmung von Myelom-Parametern

Erfahren Sie hier mehr zur Stadieneinteilung beim Multiplen Myelom.

Behandlung des Multiplen Myeloms

Die Behandlung des Multiplen Myeloms ist abhängig von individuellen Patient*innen- und Krankheitsmerkmalen, wie Alter, Komorbiditäten, Allgemeinzustand sowie zytogenetisches Risikoprofil und Krankheitsstadium. Ziel der Therapie ist das Erreichen einer raschen Symptomkontrolle sowie die Verlängerung des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens bei guter Lebensqualität.1,2

Die Therapie basiert in der Regel auf einer Kombination verschiedener Wirkstoffklassen, darunter Immunmodulatoren (IMiDs), Proteasom-Inhibitoren (PI), Kortikosteroide sowie monoklonale Anti-CD38-Antikörper. Für geeignete Myelom-Patient*innen kann eine Hochdosistherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (ASZT) Teil der Erstlinientherapie sein.1,2,4

Im weiteren Krankheitsverlauf stehen bei rezidivierter oder refraktärer Erkrankung zusätzliche Therapieoptionen zur Verfügung, einschließlich bispezifische Antikörper oder CAR-T-Zelltherapien.1,2,11

Arzt bespricht Therapieoptionen mit einem Myelom-Patienten

Erfahren Sie hier mehr zu den Therapieoptionen beim Multiplen Myelom.

Wirtschaftlichkeit bei Anti-CD38-Antikörpern

Auch Wirtschaftlichkeit spielt bei der Therapie des Multiplen Myeloms eine wichtige Rolle. Lesen Sie hier mehr zum Thema Wirtschaftlichkeit:

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Fußnoten:
a Daten aus Deutschland, 2023.

Abkürzungen:
ASZT = autologe Stammzelltransplantation; CAR = Chimärer Antigenrezeptor; CT = Computertomographie; FISH = Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung; 
IMiDs = Immunmodulatoren; IMWG = International Myeloma Working Group; LDH = Laktatdehydrogenase; MGUS = Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz; MM = Multiples Myelom; MRT = Magnetresonanztomographie; PI = Proteasom-Inhibitor; R-ISS = Revised International Staging System; 
SMM = schwelendes Multiples Myelom.

Referenzen
  1. https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html. Zugriff am 10.04.2026.
  2. https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Multiples_Myelom/LL_Multiples_Myelom_Langversion_1.0.pdf. Zugriff am 10.04.2026.
  3. Rajkumar SV, et al. Lancet Oncol. 2014; 15(12): e538–e548.
  4. Kurtin SE. J Adv Pract Oncol. 2013; 4(Suppl 1): 5–14.
  5. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_2025.pdf?__blob=publicationFile. 
Zugriff am 10.04.2026.
  6. https://www.cancer.org/cancer/types/multiple-myeloma/detection-diagnosis-staging/signs-symptoms.html. Zugriff am 10.04.2026.
  7. https://www.myeloma.org/resource-library/international-myeloma-working-group-consensus-criteria-response-minimal-residual. 
Zugriff am 10.04.2026.
  8. Eslick R and Talaulikar D. Aust Fam Physician. 2013; 42: 684–88.
  9. https://www.myeloma.org/international-staging-system-iss-reivised-iss-r-iss. Zugriff am 10.04.2026.
  10. Palumbo A et al. J Clin Oncol. 2015; 33: 2863-69.
  11. Devasia AJ, et al. Blood Cancer J. 2024; 14(1): 158. 

MAT-DE-2602024 – V1.0 – 06/2026