- Wissen
- Quelle: Campus Sanofi
- 18.06.2026
Multiples Myelom – Grundlagen, Definition und Überblick

Eine komplexe Erkrankung mit zunehmend besserer Prognose
Das Multiple Myelom (MM) ist eine hämatologische Neoplasie, die durch eine monoklonale Proliferation von Plasmazellen im Knochenmark charakterisiert ist. Typische klinische Symptome umfassen Hyperkalzämie, renale Insuffizienz, Anämie und Knochenläsionen. Die Erkrankung gilt als derzeit nicht heilbar und ist durch mehrfache Rezidive im Krankheitsverlauf geprägt. Fortschritte in der Diagnostik sowie die Einführung neuer Therapieansätze haben in den letzten Jahren zu einer Verbesserung der Behandlungsoptionen und Prognose beigetragen.1,2
Im Folgenden erhalten Sie einen Überblick über die zentralen Aspekte des Multiplen Myeloms:
Was ist das Multiples Myelom? – Definition, Entstehung und Epidemiologie
Das Multiple Myelom ist eine maligne Tumorerkrankung der Plasmazellen, die durch eine monoklonale Proliferation im Knochenmark aus einem einzigen mutierten B-Lymphozyten hervorgeht. Die mutierte Plasmazelle bildet keine funktionalen Antikörper, sondern defekte oder inkomplette Immunglobuline – die sogenannten Paraproteine (M-Proteine). Durch die unkontrollierte Vermehrung der malignen Plasmazellen kann es zur Verdrängung der normalen Zellen im Knochenmark sowie zur Schädigung der Knochensubstanz kommen, was unter anderem zu Zytopenien und osteolytischen Läsionen führen kann. Charakteristisch ist das Auftreten mehrerer (multipler) Tumorherde im Knochenmark.1–3

Die Ätiologie ist nicht vollständig geklärt und wird als multifaktoriell angenommen. Vorstufe des Multiplen Myeloms ist die monoklonale Gammopathie unklarer Signifikanz (MGUS), deren Inzidenz mit zunehmendem Lebensalter steigt. Als Übergangsform zum Multiplen Myelom wird das schwelende („smouldering“) Multiple Myelom (SMM) bezeichnet.1,2
MGUS und SMM präsentieren sich meist als asymptomatische und initial nicht behandlungsbedürftige Plasmazellerkrankung. Regelmäßige Kontrollen zur frühzeitigen Erkennung einer Progression sind jedoch empfohlen. Der Krankheitsverlauf des Multiplen Myeloms ist typischerweise chronisch und durch mehrfache Rezidive gekennzeichnet.1,2

Epidemiologie des Multiplen Myeloms5
2. häufigste hämatologische Neoplasie
Neuerkrankungen:
1,3 % bzw. 1,5 % der neuen Krebsfälle (3220 Frauen und 4130 Männer)a
Medianes Erkrankungsalter:
73 Jahre bei Frauen und 72 Jahre bei Männerna
Symptome und Beschwerden beim Multiplen Myelom
Die klinische Symptomatik des Multiplen Myeloms ist häufig unspezifisch und entwickelt sich meist schleichend, sodass zwischen ersten Beschwerden und Diagnosestellung mehrere Monate vergehen können. Art und Ausprägung der Symptome variieren und sind unter anderem vom Krankheitsstadium und individuellen Risikofaktoren abhängig. Zum Zeitpunkt der Diagnose treten bei Patient*innen häufig folgende Symptome auf:1,2,6
Knochenschmerzen
(v. a. im Bereich des Stammskeletts)
Fatigue
und
Leistungsminderung
Erhöhte
Infektanfälligkeit
Renale Insuffizienz
und schäumender Urin
Hyperkalzämie
Panzytopenie
(Anämie, Leukopenie, Thrombozytopenie)
Diagnose des Multiplen Myeloms
Die Diagnose des Multiplen Myeloms basiert auf einer Kombination aus klinischen Befunden, Laboruntersuchungen, Knochenmarkanalysen sowie bildgebenden Verfahren. Grundlage bilden die von der International Myeloma Working Group (IMWG) definierten Diagnosekriterien.3
Folgende Untersuchungen werden vorgeschlagen:2,7,8
1. Anamnese/klinische Befunde
2. Laboruntersuchungen
(u. a. großes Blutbild, Biochemie (Calcium, Kreatinin), Urinuntersuchungen (Proteinurie,
M-Komponentenspiegel usw.)
3. Knochenmarkuntersuchungen
(Aspirat- und Stanzbiopsie für Zytogenetik, FISH und Immunphänotypisierung)
4. Bildgebung
(Röntgenskelettstatus, PET-CT, LDWB-CT oder MRT des gesamten Körpers oder der Wirbelsäule)
Abb. 3: Empfohlene diagnostische Untersuchungen beim Multiplen Myelom gemäß IMWG-Kriterien2,7
Voraussetzung zur Diagnose ist der Nachweis einer klonalen Plasmazellproliferation im Knochenmark (mindestens 10 % klonale Plasmazellen) oder eines Plasmozytoms. Zusätzlich muss mindestens eines der folgenden Kriterien erfüllt sein:7,8
CRAB-Kriterien
- C > Calcium: Hyperkalzämie
- R > Renal: Niereninsuffizienz
- A > Anemia: Anämie
- B > Bone lesions: Knochenläsionen
SLIM-Kriterien
- S > Sixty: ≥ 60 % klonale Plasmazellen im Knochenmark
- Li > Light chain: Freie Leichtketten-Ratio ≥ 100
- M > MRT: > 1 fokale Läsion ≥ 5 mm (MRT)
Stadieneinteilung nach ISS und R-ISS
Zur Einschätzung der Prognose und zur Unterstützung therapeutischer Entscheidungen erfolgt beim Multiplen Myelom eine Stadieneinteilung insbesondere durch das Revised International Staging System (R-ISS). Das R-ISS basiert auf den Blutwerten von β2-Mikroglobulin, Albumin und Laktatdehydrogenase (LDH) sowie auf definierten Chromosomenanomalien. Folgende Übersicht zeigt die Stadieneinteilung beim R-ISS:9,10
| Stadium I | Stadium II | Stadium III |
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Behandlung des Multiplen Myeloms
Die Behandlung des Multiplen Myeloms ist abhängig von individuellen Patient*innen- und Krankheitsmerkmalen, wie Alter, Komorbiditäten, Allgemeinzustand sowie zytogenetisches Risikoprofil und Krankheitsstadium. Ziel der Therapie ist das Erreichen einer raschen Symptomkontrolle sowie die Verlängerung des progressionsfreien und des Gesamtüberlebens bei guter Lebensqualität.1,2
Die Therapie basiert in der Regel auf einer Kombination verschiedener Wirkstoffklassen, darunter Immunmodulatoren (IMiDs), Proteasom-Inhibitoren (PI), Kortikosteroide sowie monoklonale Anti-CD38-Antikörper. Für geeignete Myelom-Patient*innen kann eine Hochdosistherapie mit anschließender autologer Stammzelltransplantation (ASZT) Teil der Erstlinientherapie sein.1,2,4
Im weiteren Krankheitsverlauf stehen bei rezidivierter oder refraktärer Erkrankung zusätzliche Therapieoptionen zur Verfügung, einschließlich bispezifische Antikörper oder CAR-T-Zelltherapien.1,2,11
Fußnoten:
a Daten aus Deutschland, 2023.
Abkürzungen:
ASZT = autologe Stammzelltransplantation; CAR = Chimärer Antigenrezeptor; CT = Computertomographie; FISH = Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung;
IMiDs = Immunmodulatoren; IMWG = International Myeloma Working Group; LDH = Laktatdehydrogenase; MGUS = Monoklonale Gammopathie Unklarer Signifikanz; MM = Multiples Myelom; MRT = Magnetresonanztomographie; PI = Proteasom-Inhibitor; R-ISS = Revised International Staging System;
SMM = schwelendes Multiples Myelom.
Referenzen
- https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/multiples-myelom/@@guideline/html/index.html. Zugriff am 10.04.2026.
- https://www.leitlinienprogramm-onkologie.de/fileadmin/user_upload/Downloads/Leitlinien/Multiples_Myelom/LL_Multiples_Myelom_Langversion_1.0.pdf. Zugriff am 10.04.2026.
- Rajkumar SV, et al. Lancet Oncol. 2014; 15(12): e538–e548.
- Kurtin SE. J Adv Pract Oncol. 2013; 4(Suppl 1): 5–14.
- https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/krebs_in_deutschland_2025.pdf?__blob=publicationFile. Zugriff am 10.04.2026.
- https://www.cancer.org/cancer/types/multiple-myeloma/detection-diagnosis-staging/signs-symptoms.html. Zugriff am 10.04.2026.
- https://www.myeloma.org/resource-library/international-myeloma-working-group-consensus-criteria-response-minimal-residual. Zugriff am 10.04.2026.
- Eslick R and Talaulikar D. Aust Fam Physician. 2013; 42: 684–88.
- https://www.myeloma.org/international-staging-system-iss-reivised-iss-r-iss. Zugriff am 10.04.2026.
- Palumbo A et al. J Clin Oncol. 2015; 33: 2863-69.
- Devasia AJ, et al. Blood Cancer J. 2024; 14(1): 158.
MAT-DE-2602024 – V1.0 – 06/2026



