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- Quelle: Campus Sanofi
- 08.12.2025
Morbus Fabry bei Kindern

Symptome
Diagnostik
Therapie
Psychosoziale Betreuung
Morbus Fabry ist eine vererbbare Stoffwechselerkrankung, die bereits im Kindesalter auftreten kann. Sie wird durch einen Mangel des Enzyms Alpha-Galaktosidase A verursacht, was zur Ansammlung bestimmter Stoffwechselprodukte in verschiedenen Geweben des Körpers führt.
Bei Kindern können die ersten Symptome sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, wobei die klassische Form der Erkrankung sich meist durch früh einsetzende Beschwerden bemerkbar macht. Wichtig zu wissen ist, dass die Krankheit in allen ethnischen Gruppen vorkommt und häufig unterdiagnostiziert ist. Die Erkrankung wird X-chromosomal vererbt und betrifft sowohl Jungen als auch Mädchen. Söhne von erkrankten Männern können Fabry nicht von ihrem Vater vererbt bekommen und Töchter sind meist krank. Bei den Kindern von erkrankten Müttern besteht eine Chance von 50 %, dass diese krank werden.
Symptome von Morbus Fabry bei Kindern
Morbus Fabry im Kindesalter – Frühe Symptome erkennen
Morbus Fabry beginnt häufig schon im Kindesalter. Kinder können erste Beschwerden zeigen, lange, bevor die Diagnose gestellt wird. Darum ist wichtig: Frühzeitiges Erkennen kann Leben verändern!
Am häufigsten haben Kinder mit Morbus Fabry brennende Schmerzen an den Händen und Füßen. Diese Beschwerden – auch Akroparästhesien genannt – beginnen oft schon in den ersten beiden Lebensdekaden. In der Regel treten sie schubweise auf und werden durch körperliche Anstrengung, fieberhafte Infekte, Wärme, Kälte oder emotionalen Stress verstärkt.
Weitere häufige Symptome von Morbus Fabry bei Kindern sind Bauchschmerzen, Völlegefühl und gelegentlicher Durchfall. Diese Beschwerden sind oft unspezifisch, da Kinder ohne Morbus Fabry diese Beschwerden auch recht häufig haben, daher werden sie leicht übersehen.
Auch auffällig: Viele Kinder mit Morbus Fabry schwitzen kaum oder gar nicht – ein Symptom, das im Alltag unbemerkt bleiben kann. Viele Kinder mit Morbus Fabry merken erst im Rahmen des Sportunterrichts in der Schule, dass es ihnen schnell warm wird oder die zuvor genannten Schmerzen an den Händen und Füßen auftreten.
Manchmal zeigen sich bei Morbus Fabry Symptome auf der Haut wie etwa Hautveränderungen wie Angiokeratome, kleine, dunkle Hautflecken, die vor allem um die Bauchnabelregion oder im Badehosenbereich, aber sonst an der gesamten Haut auftreten können. Ein weiteres Zeichen wäre die sogenannte Cornea verticillata, radspeichenartige Trübungen der Hornhaut. Allerdings ist hier zu beachten, dass die Kinder mit Cornea verticillata keine Probleme beim Sehen haben. Cornea verticillata wird nur in der augenärztlichen Untersuchung erkannt.
Wie wird Morbus Fabry bei Kindern überhaupt diagnostiziert?
Die Diagnose eines Morbus Fabry wird bei Mädchen durch die molekulargenetische Analyse des GLA-Gens gestellt. Biochemische Untersuchungen bei Mädchen sind zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer Diagnose nicht ausreichend. Bei Jungen kann man Aktivität des Enzyms Alpha-Galaktosidase A bzw. die Konzentration der Speichersubstanz Globotriaosylsphingosin (lyso-Gb3) im Blut messen. und die molekulargenetische Analyse des GLA-Gens veranlassen.
Für die Diagnosestellung ist oft eine Kombination der Symptome entscheidend – und eine aufmerksame Beobachtung durch Eltern und Ärzte und Ärztinnen.
Der erste Schritt zur Diagnosestellung bei M. Fabry ist die Familienanamnese: Ist Morbus Fabry in der Familie bereits bekannt, sollten Kinder bei ersten Beschwerden gezielt auf die bekannte familiäre Variante im GLA‑Gen untersucht werden. Wenn ein Morbus Fabry in der Familie nicht bekannt ist, sind in der Regel der häufigste Vorstellungsgrund bei Kindern Schmerzen an den Händen oder Füßen. Alternativ können sich Kinder auch über den Augenarzt vorstellen, wenn bei ihnen Cornea verticillata entdeckt wurde. Auch „rezidivierende Fieberschübe“ können zu der Verdachtsdiagnose eines M. Fabry führen.
Wie oft tritt Morbus Fabry bei Kindern ohne familiäre Vorbelastung auf?
Etwa 5 bis 10 Prozent der Fälle entstehen durch Spontanmutationen – also neue genetische Veränderungen, die nicht vererbt wurden. Diese Fälle sind besonders schwer zu erkennen, weil bislang niemand in der Familie betroffen war. Hier braucht es ein hohes Maß an Erfahrung in der Diagnostik.
Morbus Fabry kann schwerwiegende Folgen haben – wenn er unerkannt bleibt. Doch: Eine frühe Diagnose, noch im Kindesalter, kann den Verlauf entscheidend verbessern. Daher soll man besonders auf Symptome und Zeichen wie wiederkehrende Schmerzen an den Händen und Füßen, auf Magen-Darm-Beschwerden, auf ein fehlendes Schwitzen achten, wenn familiäre Hinweise vorhanden sind. Eine Früherkennung führt zur besseren Lebensqualität und ermöglicht rechtzeitig die passende Therapie.
Diagnostik von Morbus Fabry bei Kindern
Morbus Fabry ist eine seltene genetische Stoffwechselerkrankung. Oft beginnt sie schon in der Kindheit – bleibt aber lange unerkannt. Die Diagnostik bei Kindern stellt Ärztinnen und Ärzte vor besondere Herausforderungen. Denn: Die Symptome sind oft unspezifisch. Und kindliche Beschwerden werden im Kindesalter schnell anderen „funktionellen“ Ursachen zugeordnet. Eine gezielte Diagnostik ist deshalb entscheidend für eine frühzeitige Behandlung.
Morbus Fabry im Kindesalter – Die richtige Diagnostik
Was unterscheidet die Diagnostik bei Kindern von der von Erwachsenen?
Bei Kindern ist die klinische Präsentation häufig uneindeutig. Typische Beschwerden wie Schmerzen an den Händen und Füßen, Magen-Darm-Beschwerden, ein fehlendes Schwitzen lassen sich schwer objektivieren. Hinzu kommt: Viele Kinder sind nicht in der Lage, ihre Beschwerden präzise zu beschreiben – besonders in jungen Jahren. Der Verdacht auf Morbus Fabry entsteht daher oft erst spät. Wichtig ist ein hohes Maß an Aufmerksamkeit – vor allem bei familiärer Vorbelastung.
Wenn ein Morbus Fabry ausgeschlossen wird, kommt die Frage auf: an welche Erkrankungen muss man noch denken? Die Symptome bei Morbus Fabry sind vielseitig – und überschneiden sich mit vielen anderen Krankheitsbildern.
Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind insbesondere:
- Rheumatologische Erkrankungen, z. B. juvenile idiopathische Arthritis, periodische Fiebersyndrome Migräne und andere neuropathische Schmerzsyndrome
- Funktionelle Magen-Darm-Erkrankungen
- Andere angeborene Stoffwechselerkrankungen
- Autonome Dysfunktionen oder psychogene Beschwerden
Gerade bei unklaren Schmerzzuständen oder chronischer Fatigue ist es wichtig, auch andere seltene Ursachen in Betracht zu ziehen. Eine rechtzeitige Untersuchung auf Morbus Fabry kann daher unnötige Umwege verhindern.
Warum ist die Familienanamnese bei Kindern so wichtig?
Wird ein Kind mit Morbus Fabry diagnostiziert, ist die Stammbaumanalyse ein zentraler Bestandteil der weiteren Abklärung. M. Fabry wird X-chromosomal vererbt – in der Regel sind weitere Familienmitglieder betroffen, oft ohne es zu wissen. Nach der Diagnose bei einem Kind sollten daher auch nach entsprechender humangenetischer Beratung, die Verwandten gezielt untersucht werden, beginnend mit den Eltern. Das Ziel ist es, betroffene Verwandte frühzeitig zu identifizieren – und therapeutisch zu begleiten. Die genetische Beratung spielt dabei eine zentrale Rolle – nicht nur für medizinische, sondern auch für psychosoziale Fragestellungen.
Die Diagnose von Morbus Fabry im Kindesalter erfordert Erfahrung – und einen klaren Blick für seltene Ursachen. Doch: je früher erkannt – desto besser behandelbar. Gezielte Diagnostik, sorgfältige Abgrenzung und eine strukturierte Stammbaumanalyse bilden die Grundlage für eine wirksame Versorgung der betroffenen Kinder und ihrer Familien.
Therapie von Morbus Fabry bei Kindern
Therapie bei Morbus Fabry im Kindesalter – frühzeitig handeln, langfristig schützen
Morbus Fabry – eine seltene genetische Stoffwechselerkrankung, die sich schon im Kindesalter bemerkbar machen kann. Doch wie wird sie therapiert? Und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür? In der Pädiatrie stehen Ärztinnen und Ärzte dabei vor ganz besonderen Entscheidungen.
Morbus Fabry ist bedingt durch den Mangel des lysosomalen Enzyms der Alpha-Galaktosidase A. Somit stellt die sogenannte Enzymersatztherapie eine der wichtigsten Komponenten der Therapie dar. Als Alternative gibt es die sogenannte orale Chaperontherapie, die das defekte Enzym stabilisieren und so seine Aktivität steigern soll. Dieses ist jedoch nur bei ungefähr einem Drittel der Mutationen möglich.
Die Entscheidung zum Beginn der spezifischen Fabry-Therapie im Kindesalter hängt von mehreren Faktoren ab. Wichtig sind vor allem:
- Das Alter des Patienten: Die im deutschen Markt verfügbaren, für Kinder infrage kommenden Enzympräparate sind erst ab einem Alter von 7 bzw. 8 Jahren zugelassen. Die orale Chaperontherapie ist ab dem Alter von 12 Jahren und einem Körpergewicht von 45 kg zugelassen.
- Das Vorliegen klinischer Symptome, etwa neuropathische Schmerzen und/oder gastrointestinale Beschwerden
- Erste Organveränderungen, z. B. an Herz, Nieren oder im zentralen bzw. peripheren Nervensystem
- Eine familiär bekannte Verlaufsform mit früher Krankheitsprogression
- Und das genetische Profil, insbesondere bei bekannten Varianten
Außerdem sollten auf multimodale Therapieansätze wie Schmerzbehandlung und Vermeidung von Auslösern besonderer Wert gelegt werden. Therapieentscheidungen sollten dabei stets individuell erfolgen – in enger Abstimmung mit erfahrenen Stoffwechselzentren.
Was will man mit der frühen Behandlung im Kindesalter erreichen? Im Kindesalter steht weniger das Anhalten eines bereits fortgeschrittenen Krankheitsverlaufs im Vordergrund – sondern das Verhindern von Langzeitschäden.
Zentrale Therapieziele sind:
- Das Verlangsamen oder Verhindern von längerfristigen Organschäden
- Die Reduktion von Symptomen, insbesondere Schmerzen
- Die Verbesserung der Lebensqualität und Teilhabe im Alltag/in der Schule
- Und eine positive psychosoziale Entwicklung trotz chronischer Erkrankung
Der langfristige Nutzen einer frühzeitigen Behandlung ist wissenschaftlich belegt – je früher, desto besser lässt sich die Progression der Krankheit beeinflussen.
Therapie bei Morbus Fabry allein reicht nicht – entscheidend ist ein engmaschiges Monitoring über die gesamte Kindheit und Jugend hinweg. Regelmäßige Kontrollen umfassen:
- Zielgerichtete Anamnese zur Erhebung von Symptomen und die körperliche Untersuchung
- Laborkontrollen, insbesondere der Nierenparameter, Herzparameter, .Biomarker Lyso-Gb3 (auch Lyso-GL3 genannt)
- Bildgebung wie Herz- und Nieren-Ultraschall
- Und bei Bedarf: neurokognitive und psychologische Testungen
Auch die Verträglichkeit und Wirksamkeit der spezifischen Therapie – etwa Enzymersatztherapie oder Chaperontherapie – wird regelmäßig überprüft. Besonders wichtig: Die kontinuierliche Begleitung durch ein interdisziplinäres Team – bestehend aus Pädiatrie, Kardiologie, Nephrologie, Neurologie und bei Bedarf auch Psychologie.
Morbus Fabry ist komplex – aber behandelbar. Gerade bei Kindern und Jugendlichen kann eine frühzeitige Therapie den Unterschied machen – für die Gesundheit heute und in der Zukunft. Das Ziel ist es, betroffenen Kindern ein normales, aktives Leben zu ermöglichen – mit einer individuellen Therapie, klaren Zielen und kontinuierlicher Begleitung auf dem Weg ins Erwachsenenalter.
Psychosoziale Betreuung von Morbus Fabry bei Kindern
Psychosoziale Betreuung bei Morbus Fabry im Kindesalter – Stark im Alltag, stark fürs Leben
Morbus Fabry ist mehr als nur eine somatische Erkrankung. Er beeinflusst auch das seelische Wohlbefinden, das soziale Umfeld und den Alltag von Kindern und Familien. Darum braucht es mehr als eine medikamentöse Therapie. Psychosoziale Betreuung ist ein wesentlicher Baustein des multimodalen Therapiekonzepts – von Anfang an.
Offenheit schafft Vertrauen! Kinder mit Morbus Fabry haben viele Fragen: Warum habe ich diese Krankheit? Was bedeutet das für mein Leben – in der Schule, beim Sport, mit meinen Freund:innen? Deshalb gilt: Offene, altersgerechte Gespräche sind entscheidend – für das Vertrauen in die Eltern, Ärztinnen und Ärzte und in die eigene Zukunft.
Je nach Alter können unterschiedliche Kommunikationsstrategien helfen:
- Bei jüngeren Kindern: einfache Erklärungen mit Bildern, Vergleichen und Geschichten
- Bei Jugendlichen: ehrliche, respektvolle Gespräche auf Augenhöhe – auch über Einschränkungen, Therapie und Ängste
Wichtig ist auch der Umgang mit Fragen zur Selbstwahrnehmung: Wie spreche ich in der Schule über meine Krankheit? Warum kann ich beim Sport nicht immer mithalten? Warum brauche ich bei manchen Prüfungen zusätzliche Zeit? Wie erkläre ich es meinem Freundeskreis? Wie erkläre ich es meinem Partner?
Eine begleitende psychologische Betreuung kann hier entscheidend unterstützen.
Ziel ist: die Akzeptanz der Erkrankung und die Entwicklung eines starken Selbstwertgefühls.
- Unterstützung bei schulischen Problemen (z.B. Nachteilsausgleich)
- Begleitung bei sozialen Ängsten oder Rückzugstendenzen
- Umgang mit Einschränkungen im Alltag oder in der Freizeit
Viele Angebote lassen sich auch online wahrnehmen – anonym, niedrigschwellig und wohnortnah.
Morbus Fabry betrifft nicht nur das betroffene Kind – sondern das gesamte Familiensystem. Daher ist eine ganzheitliche Unterstützung für die ganze Familie wichtig.
Gerade nach der Diagnose entstehen viele Fragen:
- Wie wird sich die Erkrankung auf unser Familienleben auswirken?
- Können wir weiteren Kindern das vererben?
- Sollten wir vielleicht lieber doch keine Kinder haben?
- Wie gehen wir als Eltern mit Schuldgefühlen oder Sorgen um die Zukunft um?
Hier hilft eine genetische und psychologische Familienberatung – z. B. an Universitätskliniken, humangenetischen Instituten oder spezialisierten Zentren. Auch bei Fragen rund um Kinderwunsch, Pränataldiagnostik oder Reproduktionsmedizin stehen qualifizierte Anlaufstellen zur Verfügung. Das Ziel: Informierte, selbstbestimmte Entscheidungen – ohne Angst und mit professioneller Begleitung.
Morbus Fabry stellt Familien vor besondere Herausforderungen – medizinisch, emotional und sozial. Aber mit guter Kommunikation, psychosozialer Unterstützung und einem starken Netzwerk ist ein zuversichtlicher Lebensweg möglich – für Kinder, Jugendliche und Eltern. Denn stark ist, wer Unterstützung annimmt – und sie weitergibt.
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